Mit der Freigabe der „alten Messe“ tritt die Liturgiereform der katholischen Kirche in ein neues Stadium
Aktuelles:
Pfarrer Faber bei der „Westernmesse“ 2010Bild: Gloria-TV
Keine „Bei-Messe“ zu Steak and Salad
18. Juni 2011
Zum vierten Mal wollte der für seine grenzwertigen Pastoralprojekte bekannte Wiener Dompfarrer Faber am übernächsten Sonntag im Rahmen eines Volksfestes eine sogenannte „Westernmesse“ veranstalten. Dabei erscheinen die Teilnehmer als Cowboys und Salongäste, eine Band spielt (schlechten) Country and Western, das ganze in Bierzelt-Atmosphäre. Gloria.TV hat in den vergangenen Jahren im Video dokumentiert, daß dabei üble Mißbräuche vorkommen: Man raucht, trinkt und unterhält sich, mancher Teilnehmer steht vom kaum abgegessenen Teller auf, um zur Kommunionspendung zu treten.
In diesem Jahr hat Gloria.TV rechtzeitig vor dem Ereignis einen Aufruf ins Netz gestellt, der darum warb, den Wiener Erzbischof und Kardinal Schönborn per E-Mail zum Einschreiten zu bewegen. Dieser Aufruf fand auch international beträchtliche Beachtung. Trotzdem erklärte Dompfarrer Faber auch am Freitag noch einmal seinen Willen, die umstrittene Veranstaltung durchzuführen, und berief sich dabei auf seinen Wahlspruch: „Es kann nicht alles so bleiben, wie es ist“.
Am späten Nachmittag kam dann vom Amtsitz des Erzbischofs die Nachricht, die Messe ist abgesagt, stattdessen findet eine Segenszeremonie statt. Damit wird in Wien nach der Beendigung der unsäglichen Jugendliturgien „Fight, find, follow“ zum zweiten Mal ein Stoppzeichen für die fortschreitende Verkitschung und Infantilisierung der Messliturgie gesetzt. Der Widerspruch war nicht nutzlos.
Gloria.TV hat die Petitionsseite jetzt in dem Sinne umgewidmet, daß man sich dort beim Wiener Kardinal für sein Einschreiten bedanken kann. Man sollte die Gelegenheit nutzen.
Bischof Konrad Zdarsa
Anhaltende Unruhe in Augsburg
„Exkommunikation von Unten“
16. Juni 2011
Eines kann man dem neuen Augsburger Bischof Zdarsa sicher nicht vorwerfen: Er habe sich nicht genug Mühe gegeben, den unruhigen Geistern im Bistum, die die Amtsaufgabe seines Vorgängers ertrotzten, entgegen zu kommen. In seinen Distanzierungen von Bischof Mixa ging er so weit, wie unter Wahrung des bürgerlichen Anstandes möglich. Manche glauben, sogar noch weiter. Schließlich opferte er sogar den überaus erfolgreichen Geschäftsführer Dirk Hermann Voß des St. Ulrich-Verlages, der wegen seiner klaren katholischen Haltung bei den Dissidenten besonders unbeliebt war.
Geholfen hat ihm das anscheinend nichts. Die Süddeutsche Zeitung von gestern macht dem Bischof ein langes Sündenregister auf, in dem sie sich alle Anklagen der innerkirchlichen Opposition zu eigen macht. Das lokalpolitische Kleinklein interessiert uns hier weniger, aber zwei Punkte wecken unsere Aufmerksamkeit.
Der Anfang des Artikels schlägt den Ton an:
Auch so kann man Zeichen setzen. Ausgerechnet an Pfingsten, da viele Priester in der Diözese Augsburg ihre Kirche ermahnt haben, Fenster und Türen zu öffnen, den Heiligen Geist wehen zu lassen und die Zeichen der Zeit zu erkennen, hat Augsburgs neuer Bischof Konrad Zdarsa das Hochamt gemeinsam mit Kardinal Walter Brandmüller gefeiert. Dieser Mann steht für viele Christen für eine eindeutig rückwärts gewandte Kirche."
Falls das wirklich die Haltung und Stimmung der Augsburger Opposition wiedergibt, fällt es schwer, darin keine Aufkündigung der Gemeinschaft mit dem Kardinal zu erkennen – und mit dem, der ihn ernannt hat. Exkommunikation von unten, sozusagen.
Ein zweiter Vorwurf greift womöglich noch tiefer:
Auch Zdarsas erster Hirtenbrief ist bis heute umstritten. Darin betonte er, für ihn sei die Teilnahme an einem Wortgottesdienst keine „Erfüllung der Sonntagspflicht, wo unter zumutbarem Einsatz die Teilnahme an der sonntäglichen Eucharistiefeier möglich ist“. Davon fühlten sich viele Laien vor den Kopf gestoßen, die sich eigens ausbilden ließen, um angesichts des Priestermangels den Gemeinden wenigstens Wort-Gottes-Feiern anbieten zu können.
Ein Verdacht, der bisher zwar gelegentlich geäußert wurde, aber doch als schwer belegbar galt, findet darin seine skandalöse Bestätigung: Das Wesen des Sonntagsdienstes liegt für viele „Reformkatholiken“ nicht mehr im Begängnis der Eucharistie als „Gipfel und Quelle des Lebens der Kirche“, sondern in der Versammlung der Gemeinde, die sich zur (Selbst-)Feier und Beweihräucherung zusammenfindet
Im konkreten Fall schließen sich daran zwei äußerst beunruhigende Fragen an: Was war wohl der Inhalt jener Ausbildung, die den Möchtegern-Ersatzpriestern und Priesterinnen den Begriff vom „Gipfel und der Quelle des Lebens der Kirche“ vermittelte, der hier zu Tage tritt? Und wenn eine solche Ausbildung selbst unter Bischof Mixa möglich war, dem man keinerlei Sympathie gegenüber diesem vollständig säkularisierten Amtsverständnis unterstellen kann – wie mag da anderswo ausgebildet werden, wo solche Sympathie eher unterstellt werden kann?
Bündnis von Thron und Altar, republikanische Version
Dialog,
Revolte und
unerwartete Wendung
15. Juni 2011
Ein Kommentar von Franz Norbert Otterbeck, Köln
Einige Strukturen, die Alexander Kissler im FOCUS jüngst aufdeckte, sind sicher richtig erkannt. Aber ist es denn eine Überraschung, dass die Fraktion „Würzburg“ von ihren um 1970 geprägten Positionen so viel festhalten will wie nur geht? Auch die greisen Brüder Castro auf Kuba feiern doch täglich ihre REVOLUCIÓN. Die „evolutionäre“ Synode von Würzburg war allerdings schon vor Amtsantritt des Seligen Johannes Paul II. ins Abseits geraten. Das beweinen Chefideologen der damaligen Zeit immer wieder, in den STIMMEN DER ZEIT oder sonstwo. Beleidigt ist man heute wohl, dass auch beim „nächsten Papst“ nicht „alles anders“ wird. (Wozu auch?)
Es gibt Publikationen, die fleißig gelesen werden, damit man weiß, wo der Feind steht, die aber von „der Mehrheit“ so gut wie nie zitiert werden. Dazu gehört kath.net, aber auch THEOLOGISCHES. Wer dort gegen die „Ekklesiologie der Parteilichkeit“ argumentierte, der darf ziemlich sicher sein, dass es bald von irgendwoher zurückschallt: „An die Laterne mit den Klerokraten!“ Dabei sind die treuesten Verfechter der so gen. „römischen Linie“ heute überwiegend Laien hierzulande, die außerhalb eines kirchlichen „Dienstverhältnisses“ leben. Die Fraktion der Auflehner hingegen, die (nur) in Rom eine Autokratie wittert, bezieht Gehalt, Sozialversicherung und Zusatzversorgung aus den Kassen derer, letztlich der Deutschen Bischöfe, deren Multiplikatoren sie sein müssten. Fehlanzeige. Sie vermehren sich und die Sorgen der Bischöfe, wegen null „output“. Deren Zeitbudget wird aber fast völlig von „Dialogen“ mit den eigenen Mitarbeitern vereinnahmt. Da lobt unsereiner, Nichtpreuße, fast schon Helmuth Moltke: Unsicherheit im Befehl schafft Unsicherheit im Gehorsam. Diese Mehrheit (der Beschäftigten, nicht der Beter) gibt aber, ganz selbstsicher, den Ton an: „Wir geben nichts!“ Das hat man sich verdient, verausgabt wie man ist. Der Katholizismus in Deutschland wird seit rund 40 Jahren mehr und mehr zu einem in sich geschlossenen, selbstreferenziellen System umerzogen. Insofern hat mancher Kritiker von weit links mehr Recht als die stereotype Kritik von „Mitte rechts“ an Rom. Deutsche Christen verkünden eine Botschaft ohne Mitteilung. „Handeln im Auftrag Jesu.“
Handelsbilanz: Es werden Mittel vereinnahmt und verausgabt, aber bald keine Zwecke mehr erreicht. Kein Wunder, die „Beschäftigten“ haben sich, vornehmlich, mit sich beschäftigt; und den Weltjugendtag 2005 diskret vorüberziehen lassen. Nur der WJT auf deutschem Boden hat nahezu keine geistlichen Berufe geweckt. Das gab es seit 1986 nie davor; und wohl auch nie danach. Weil der Berufene „hier“ zur Systemergänzung herangezogen wird, nicht zur Berufsausübung, die diözesan nur noch marginal platziert ist. Und seit dem Jesusbuch von 2007 wird seitens der Systembewahrer ohne Unterlass zurückgeschossen; als habe der Papst eine Todsünde begangen, weil er Theologen vorhält: „Die Bibel ist wahr!“ Vor 25 Jahren sagte ich zum Direktor des Albertinum in Bonn: Das Erzbistum Köln erinnert mich an eine kleine Schnecke, die ihr großes Haus gar nicht mehr tragen kann. Er gab zurück, dass „die Kirche“ gerade in ihren Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern ihren „Auftrag“ präsent machen könne. Der Auftrag wurde dort weitere 25 Jahre „präsent“ gemacht; mit dem Ergebnis, dass Problemfälle nahezu aussschließlich ‚contra sextum‘ aufkommen. Ehemoral war ein zentrales Thema Jesu, aber ist doch erst im Licht des Ostertages voll plausibel. Resurrexit sicut dixit; das ist zuerst zu verkündigen; und das andere dann in Folge dessen, wie es der YOUCAT tut.
Also: Befreit sie, die politischen Gefangenen! Der organisierte Katholizismus in Deutschland hat sich während des ganzen Pontifikats „JP II“ nur Petersilie in die Ohren gestopft; in der Hoffnung, der „Peterspfennig“ werde die Zentrale schon davon abbringen, etwa Gehorsam zu verlangen.
Als es in Fragen des Lebensschutzes dann doch anders kam, partiell, da war man „baff“; und duldete sogar, auf eine Weise, die man in der bürgerlichen Mitte „vor 68“ gar nicht kannte, die Gründung einer Art von „Stadtguerilla“ mit dem zynischen Namen „Donum vitae“. Wer tiefer in die seelischen Labyrinthe eines „Altwürzburgers“ (gemeint sind die Synodensportler der Siebziger, nicht altfränkische Beterinnen) einsteigen will, der konsultiere die jüngsten Veröffentlichungen des Hans Maier (CSU). Derselbe rühmte übrigens schon 1974, zum Thema „25 Jahre BRD“, dass die Evangelischen Kirchen in Deutschland nach 1945, im Verhältnis zum Staat, alles gut und alles besser gemacht haben. Das war damals schon falsch. Aber der zentrale Punkt ist der, dass, gerade entlang Vaticanum II, die Kirche nie wieder eine Teilmenge der Staatsverwaltung sein kann, falls sie noch Kirche sein will. Insoweit ist ein zarter Hauch der freikirchlichen Idee sogar im Katholizismus zum Zuge gekommen, etwa in einigen ‚Movimenti‘.
Das Problem namens Beschäftigungspolitik kommt bei Alexander Kissler noch zu kurz. Behörden sind mitunter tätig, um ihre Existenzberechtigung durch „mehr Stellen“ zu unterstreichen. Der „Auftrag der Kirche“ in Deutschland wird von nicht wenigen, entlang dem Vorbild der EKD, darin gesehen, mehr Stellen zu schaffen. Egal wozu. Eingestellt wird nach wie vor entlang der Konformität, der vordergründigen. Aber auch die Schwierigen können zu den richtigen Ergebnissen kommen: Heute ist der Beter ein Störfaktor der Pastoral. Dieselbe wird, als Planwirtschaft, inmitten der europäischen Marktordnung, aber gottlob nicht mehr wettbewerbsfähig sein.
Die Erneuerung der Kirche im Geiste des Konzils ist übrigens längst im Gange. Aber sie bereitet sich überwiegend außerhalb der Planungszentralen und Stabsstellen deutscher Bürokratien vor. Das war wohl die große Enttäuschung der 1975er: Dass der Geist tatsächlich da weht, wo er will. Die „Umsetzung“ des Vatikanum II in Deutsches Verwaltungs(un)recht war ein müheseliges und überdies vergebliches Unterfangen. Das Konzil setzt sich geistvoll „um“, vom Herrn selber bestimmt: Etwa auch, aber nicht nur, in altliturgischen Zirkeln. Diese vollziehen Laienapostolat „par exellence“, wie es das früher nicht gab. Aber es war nicht das gloomy orange der heißen 70er, das Bestand hatte, sondern es sind, unter anderem, ausgerechnet „die Rubriken“, rot auf weiß, wie das Herz Jesu, als Quelle der Taufe und Kommunion.
„Dialog“ muss so stattfinden wie Catharina von Siena es sah, als heilige Auseinandersetzung mit dem Willen des ewigen Vaters, nicht aber als Palaver unzuständiger Kreise, die als Ergebnis der Unterredung schon eingangs festhalten, dass zuständige Dritte das Kirchenrecht ändern müssen. „Du musst Dein Leben ändern!“ Das schreibt heute Peter Sloterdijk. Aber es steht schon „geschrieben“; veritas vincit omnium. Zum Verdruss der ‚Sozialnationalen Einheitskirche Deutschlands‘: Der Staatsbesuch im September wird der nächste Erfolg des längst totgeschrieben geglaubten Römers aus Bayern werden. Dank sei Gott.
Spalten sich die Katholiken?
14. Juni 2011
So, wie das in einem ausgerechnet zu Pfingsten verbreiteten FOCUS-Artikel zu lesen war, ganz bestimmt nicht. Mit einer Tagung der deutschen Generalvikare, auf der darüber diskutiert und am Ende gar abgestimmt wird, ob die deutschen Bistümer „um den Preis nationaler Alleingänge Dogmen und Traditionen über Bord werfen oder sich eher um eine Vertiefung im überlieferten katholischen Glauben bemühen“ sollen, ist nicht zu rechnen. Auch eine „konspirative Hierarchie“ ist nirgendwo zu sehen. Die Bischöfe, die im Ruf stehen, eine Spaltung zu begünstigen, pflegen sich öffentlich zu äußern, das freilich vorzugsweise so, daß man daraus sowohl das eine oder das andere herauslesen kann. Eine Spaltung, die sie nicht nur um die Aura von Weltkirche, sondern letzten Ende auch um Teile der Kirchensteuer bringen könnte, ist nicht das, was sie wollen.
Den Beginn der Spaltungskampagne – sofern es denn eine „Kampagne“ gibt – auf dieses Frühjahr anzusetzen, ist überdies arg kurzsichtig. Warum nicht auf den Januar 2010, als Klaus Mertes S. J. längst vergangene und bekannte Mißbrauchsfälle erneut ins Gespräch brachte, um die Diskussion alsbald auf den „Pflichtzölibat“, die Ehemoral, die Frauenordination und andere Spaltungsthemen zu bringen? Warum nicht auf die Königsteiner Erklärung von 1968, in der sich die Mehrheit des deutschen Episkopats von der Enzyklika Humanae Vitae von Papst Paul VI. in einer Weise distanzierte, die zwar an den Worten schwer festzumachen, in der Sache aber nur allzu deutlich wahrzunehmen war? Warum schließlich nicht auf die „Emser Punktation“ des Vorrevolutionsjahres 1786, in der die Erzbischöfe des hl. Römischen Reiches eine Art Unabhängigkeitserklärung gegenüber dem Papst formulierten, in deren Gefolge bereits all die Themen auf den Tisch kamen (Synodalverfassung, Bischofswahl, Aufhebung des Zölibats usw.), die heute unter „modernen Katholiken“ en vogue sind.
Natürlich ist es wahr, daß es in der deutschen Kirche schismatische Tendenzen gibt – wir hatten das hier oft genug im Zusammenhang mit unserem Thema „Liturgie“ zu beklagen, wo die meisten deutschen Bischöfe schon seit langem einen Kurs steuern, der im Widerspruch zum Willen des Papstes als des obersten Lehrers und Gesetzgebers der Kirche steht. Und wir sehen sehr beunruhigt, wie deutsche Bischöfe nachgerade regelmäßig verlauten lassen, mit ihnen könne man ja über dies und jenes gerne reden, aber leider, leider seien die alten Männer in Rom oder die unaufgeklärten Neger in Afrika noch nicht so weit, den Erleuchtungen aus Germanien zu folgen. Das ist die sicherste Methode, die Bindung von Menschen an die Weltkirche zu lockern, so daß sie eines Tages, falls es denn tatsächlich zur Spaltung kommen sollte, diese nicht als das Unglück sähen, das sie ist, sondern geradezu als Befreiung und hoffnungsfrohen Neuanfang.
Denn eine reale Möglichkeit ist die Spaltung durchaus. Aber sie wird nicht auf einer Sitzung der Generalvikare oder durch Abstimmung auf der Bischofskonferenz beschlossen werden, sie wird sich ereignen. Heute an dem einen Ort, in der einen Institution, morgen an einem anderen, jeweils kaum beachtet, bis sie dann eines schlimmen Tages nicht mehr zu übersehen und durch keinen „Dialog“ mehr zu überbrücken ist. Und die Bischöfe, die sie durch Handeln und Nicht-Handeln am meisten begünstigt haben, werden am meisten davon überrascht und entsetzt sein.
Ein bedrückendes Beispiel dafür, wie diese Spaltung „von unten“ voranschreitet, war ebenfalls am Pfingstwochenende in Schweinfurt zu besichtigen. Dort hat der langjährige Gemeindepfarrer Breitenbach gezeigt, wie man eine Gemeinde aus der Gemeinschaft der Kirche herauslöst. Inzwischen hat der 76-jährige in seiner in langjähriger Kleinarbeit von allen Widerspruchswilligen gereinigten Pfarrei von Gleichgesinnten eine solche Position erreicht, daß der Versuch des überaus langmütigen Ortsbischofs Hofmann, ihn wenigstens nach Erreichen der Altersgrenze abzulösen, jämmerlich gescheitert ist: Nach wie vor residiert Breitenbach im Pfarrhaus, er diskutiert nicht über eine Abspaltung, er praktiziert sie. Und so hat er zu Pfingsten einen Gottesdienst veranstaltet, bei dem nicht nur gleich zwei Damen als „Predigerinnen“ amtierten (derlei läßt sich durch Wortmagie noch verschleiern), sondern auch der wegen Bruch des Zölibatsversprechens bereits 1973 als Priester suspendierte Hochschullehrer Georg Denzler zusammen mit Breitenbach und Diakon Philipps zum Altar trat. Dazu die Mainpost:
Der mittlerweile verheiratete Kirchenhistoriker könne nicht mehr Priester sein, informierte Breitenbach über den dritten Mann beim Einzug ins wieder volle Gotteshaus. „Heute feiert er aber mit uns Gottesdienst und wir zeigen wie das geht.“
Wer will, mag die Einzelheiten dieser im Geist des „Widerstandes gegen die Administration“ gefeierten Kampfmesse dem zitierten Pressebericht entnehmen oder gar vor Ort Erkundigungen einziehen. Von hier aus gesehen erscheint der Befund eindeutig: In St. Michael wird Kirchenspaltung nicht angekündigt – dort wird sie vollzogen. Und tröste sich keiner damit, das sei einer von wenigen Einzel- und Sonderfällen. Der Geist der Spaltung, der in Schweinfurt bereits herrscht, ist in vielen Gemeinden mehrheitsfähig. Die von konfliktscheuen Bischöfen geduldete jahrzehntelange Vernachlässigung der Katechese, Nachgiebigkeit gegenüber häretisierenden Professoren und Anpassung an kirchenfeindliche Zeitungen haben die Maßstäbe dafür, was katholisch ist und was nicht, was in Einheit mit dem Papst möglich ist und was diese Einheit aufkündigt, weitgehend aufgelöst. Nun müssen wir mit den Folgen leben. Sie gehen weit über alles jemals auf Konferenzen von Bischöfen oder Generalvikaren Diskutierte hinaus.
Um das Stichwort „Diskussion“ aufzugreifen: Wenn Sie das Thema „Spaltung“ aus einer Perspektive beleuchten wollen, die zu unserer grundsätzlichen thematischen Ausrichtung passt - schicken Sie uns bitte ihre Gedanken.
Aktuell wie immer: Veni, Sancte Spiritus!
Allen unseren Lesern ein gnadenreiches Pfingstfest!
12. 6. 2011
Pfingstliche Initiale zu „S“piritus aus dem Graduale von Katharinental Bild: Schweizerisches Nationalmuseum
Veni, sancte spriritus,
Reple tuorum corda fidelium,
Et tui amoris in eis ignem accende,
Qui per diversitatem linguarum cunctarum
Gentes in unitate fidei congregasti.
Halleluia, halleluia!
Neben dieser neu aufgenommenen Pfingstantiphon finden Sie auf hymnarium.de auch das Veni Creator Spiritus des Rabanus Maurus, das Veni Sancte Spiritus von Stephanus Cantuarensis und Nunc Sancte Nobis Spiritus vom hl. Ambrosius.
Krakau, 4. 6. 2011Bild: Piotr Koc
Priesterweihe in Krakau
11. Juni 2011
Am vergangenen Samstag, dem 4. Juli, wurde in der Peter und Paul-Kirche in Krakau Hw. Marek Grabowski von der FSSP zum Priester geweiht. Die Weihe erteilte Bischof Tadeusz Pieronek, emeritierter Weihbischof der Diözese Sosnowiec. An der Zeremonie – es war die erste Priesterweihe nach dem überlieferten Ritus in Polen seit 1970 – nahmen mehr als 300 Gläubige aus Krakau und ganz Polen teil.
Eine Photoserie mit über 30 teilweise hervorragenden Aufnahmen zeigt Piotr Koc auf http://www.koc.pl/XMG.
Das Flughafengelände ist 2,5 km vom Freiburger Hauptbahnhof entfernt. Bild:Google Earth
Wie man in der Diözese Freiburg den Papstbesuch vorbereitet
10. Juni 2011
Daß man in deutschen Ordinariaten mit gemischten Gefühlen auf den Papstbesuch blickt, ist kein Geheimnis. Das muß nicht so weit gehen wie die „Sensationsmeldung“ des Focus von heute, nach der eine „konspirative Hierarchie“ nichts weniger vorbereitet als eine Kirchenspaltung, aber das Unbehagen ist deutlich spürbar.
Die Vorbereitung des Papstbesuches ist daher vielerorts von dem Bemühen gekennzeichnet, die Deutschlandreise des Papstes keinesfalls zum (Medien-)Erfolg werden zu lassen – ein Freiburger Gemeindeblatt plappert aus, wie man das macht:
Bitte bedenken Sie, daß Sie für die Eucharistiefeier schon sehr frühzeitig (ca 7h) auf dem Flugplatz sein müssen und es einen weiten Fußweg zum Flugplatz geben wird (bis zu ca 6 km). Sie werden dort auch keinen Sitzplatz vorfinden. Von daher sollten Sie gut zu Fuß sein
Nach dem bisherigen Planungsstand muss damit gerechnet werden, dass die Mitfeier am Sonntagsgottesdienst mit besonderen körperlichen Anstrengungen verbunden sein wird."
Ein Meisterstück strategischer Planung, in der Tat.
„Benediktinisches Arrangement“ in der Kathedrale von Arundel
Gemischte Signale aus England
8. Juni 2011
Anzeichen für widersprüchliche Entwicklungen in England wurden gestern per Internet mitgeteilt: Beim Besuch der Kathedrale von Arundel konnte „Pastor in Valle“ Sean Finnegan erfreut feststellen, daß der Hauptaltar jetzt wieder nach dem „Benediktinischen Arrangement“ hergerichtet ist: Keine Teetisch-Stumpenkerzen links und Ikebana rechts, wie das vor 50 Jahren einmal modisch gewesen sein mag, sondern (mittel)hohe Kerzen auf (mittel)hohen Leuchtern mit sichtbarem Kruzifix in der Mitte.
Bei dieser von Papst Benedikt bevorzugten und empfohlen Gestaltung geht es um mehr als um eine Geschmacksache oder ein äußerliches Anknüpfen an traditionelle Formen: Es macht einen Unterschied, ob Gemeinde und Priester sich gemeinsam dem Kreuz zuwenden – oder ob dieses als störend empfunden und unsichtbar gemacht wird, um die „heilige Versammlung“ ganz bei sich sein zu lassen. Die unterschiedliche Form steht für eine verschiedene Theologie – eben darum ist das „Benediktinische Arrangement“auch in deutschen Kirchen so selten zu sehen - von Bischofskirchen ganz zu schweigen.
Erzhbischof Mario Conti
Ebenfalls gestern veröffentlichte Damian Thompson ein Rundschreiben des Erzbischofs von Glasgow, Mario Conti, aus dem zu ersehen ist, wie weit der Weg zur Umsetzung von Summorum Pontificum und Universæ Ecclesiæ im Geiste des hl. Vaters noch sein wird. Zunächst sieht der Erzbischof keine Notwendigkeit, die alte Liturgie zu feiern, da es angeblich kein Interesse dafür gebe - die Variante kennen wir auch hierzulande. Und dann verkündet er eine wahrhaft bizarre Theorie: Das wahre Mysterium könne (nur) in der modernen Liturgie zum Ausdruck kommen. Die „absonderlichen Gesten“ und Symbole der Tradition dienten demgegenüber nur dazu, dieses Mysterium geheimnisvoll erscheinen zu lassen, quasi zu verrätseln.
Das nächste mal, wenn Gitarren und Schlagzeug eine Eucharistiefeier als schlechte Disko-Einlage erscheinen lassen, werden wir versuchen, uns daran zu erinnern.
Stellungnahme zur Instruktion „Universae Ecclesiae“
7. Juni 2011
Am gestrigen Montag haben die „Laienvereinigung für den klassischen römischen Ritus in der Katholischen Kirche“ (PMT), die „Una Voce Deutschland“, die Initiative „Pro Sancta Ecclesia“ und die „Vereinigung der Initiativkreise katholischer Laien und Priester im deutschen Sprachraum" eine Erklärung zu Universæ“ Ecclesiæ veröffentlicht. Die Vereinigungen danken dem Papst für alle Maßnahmen, die er zur Wiedergewinnung der traditionellen Liturgie getroffen hat und begrüßen die mit UE vorgenommene Klärung von offenen Fragen.
Nachdrücklich appellieren die Vereinigungen an alle Beteiligten, den vom Papst gewiesenen Weg zu einzuhalten.
Nun liegt es an den Gläubigen, ihren Priestern und Bischöfen, die päpstlichen Anordnungen zu befolgen und in die Tat umzusetzen. „Sie sollen dabei stets der Gesinnung (mens) des Papstes folgen, die im Motu proprio Summorum Pontificum klar zum Ausdruck kommt.“ (UE Nr. 15)
Jetzt ist alle Kraft gefordert, die Chance zu nutzen und viele Irrwege der vergangenen Jahrzehnte zu vermeiden. Dazu müssen auch die Zelebranten der außerordentlichen Form ihren Beitrag leisten, indem sie den Weisungen der Instruktion Folge leisten, selbst wenn dies Verzicht auf persönliche Vorlieben und langjährige Praxis bedeutet.
Den vollständigen Text der Stellungnahme können Sie auf der Website von Pro Missa Tridentina als PDF herunterladen.
Ausführungsbestimmung zu den Ausführungsbestimmungen
5. Juni 2011
Die lange erwarteten und ebenso lange beratenen Ausführungsbestimmungen (Universæ Ecclesiæ) zu Summorum Pontificum enthalten einige Passagen, die unter Kirchenrechtlern alsbald unterschiedlich oder sogar in einander widersprechender Weise ausgelegt worden sind. Unklar war unter anderem das Verständnis von Absatz 28, in dem es heißt:
Das Motu proprio Summorum Pontificum ist darüber hinaus ein Spezialgesetz und derogiert daher für den ihm eigenen Bereich von jenen nach 1962 erlassenen Gesetzen, die sich auf die heiligen Riten beziehen und unvereinbar sind mit den Rubriken der liturgischen Bücher, die 1962 in Kraft waren.
Umstritten war, ob dieser Abschnitt die nach 1962 erteilten Ausnahmegenehmigungen für die Spendung der Handkommunion und den Einsatz von Messdienerinnen betrifft, weil beide Punkte in den Rubriken im engeren Sinne des Jahres 1962 nicht angesprochen sind - sie galten damals als selbstverständlich. Hier hat nun eine Anfrage bei der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei zumindest hinsichtlich der Messdienerinnen Klarheit geschaffen. In der Antwort heißt es:
Das Rundschreiben der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramente von 1994, in dem Messdienerinnen erlaubt werden, findet bezüglich der außerordentlichen Form keine Anwendung".
Damit ist nicht nur diese brisante Einzelfrage geklärt. Die Antwort von Ecclesia Dei muß auch als Hinweis dahingehend verstanden werden, daß mit der Wendung „unvereinbar mit den Rubriken der liturgischen Bücher von 1962“ eben nicht nur die in diesen Büchern tatsächlich abgedruckten Bestimmungen gemeint sind, sondern auch und gerade die traditionellen Verhaltensweisen und Gewohnheiten, die vor 1962 als so selbstverständlich galten, daß sie nicht ausdrücklich in den Rubriken niedergelegt wurden.
Zusammen mit der bereits in der Instruction UE in Abschnitt 26 ausdrücklich niedergelegten Bestimmung, daß die Lesungen außer in der Missa lecta stets auch auf Latein vorzutragen sind, wird damit allen Absichten ein Riegel vorgeschoben, die alte Liturgie durch willkürliche Angleichungen an den Novus Ordo zu verwässern. Es wird Weiterentwicklungen des überlieferten Römischen Missales geben – etwa durch die auch in UE angesprochene Einführung zusätzlicher Präfationen und neuer Messformulare für „neue“ Heilige – aber diese Weiterentwicklung obliegt der Kommission Ecclesia Dei und darf nicht, mit welchen Motiven auch immer, über unautorisierte Einzelmaßnahmen vorgenommen werden.
Beim gegenwärtigen Stand der Disziplinlosigkeit in der Kirche heißt das natürlich nicht, daß derlei Versuche nicht dennoch unternommen werden. Der englische Universitätsgeistliche, der seit diesem Frühjahr Messdienerinnen für die ihm anscheinend gegen seinen Wunsch auferlegte Feier der überlieferten Liturgie einsetzt und auch selbstherrlich andere Elemente des Novus Ordo eingeführt hat, ließ bereits wissen, daß er die Mitteilung von Ecclesia Dei nicht beachten will.
Bei der Erteilung des Primizsegens
Priesterweihe in Rom
4. Juni 2011
Am 1. 6. erteilter Erzbischof Haas von Vaduz in der römischen Pfarrkirche der FSSP dem Diakon Daniel Kretschmar die Priesterweihe. Hw. Kretzschmar ist Priester der Diözese Vaduz, wird aber bereits seit Weihnachten 2010 in der Seelsorge der Petrusbruderschaft in Stuttgart eingesetzt. Die Priesterweihe erfolgte in voller Übereinstimmung mit den römischen Stellen und in Anwesenheit von Vertretern der Gottesdienstkongregation und der päpstlichen Kommission Ecclesia Dei. Insoweit stellt sie auch einen praktischen Kommentar zur Bedeutung von Abs. 19. der Instruktion Universæ Ecclesiæ dar.
Eine Reihe von Photos sowie Links auf zwei Filme von der Priesterweihe präsentiert John Sonnen auf Orbis Catholicus Secundus.
Himmelfahr, Pietro Perugino, ca 1500
Der Bruch
Christi Himmelfahrt 2011
Seit den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts prägte der Schott ganz wesentlich das Glaubensbewußtsein des katholischen Volkes. Seine Einführungen zu den Messen der Sonn- und Festtage bildeten geradezu einen Katechismus für Erwachsene. Zum Fest Christi Himmelfahrt schrieb der Schott von 1963 (wie schon seit Jahrzehnten):
Die Himmelfahrt des Heilandes ist die Krönung und Vollendung seines gottmenschlichen Lebens auf Erden. Unter den Siegesgesängen der vereinigten Himmelschöre öffnen sich für ihn die Tore des Himmels; mit seiner verklärten Menschheit, begleitet von den Erstlingen der Erlösung: den Vätern aus der Vorhölle, tritt Jesus als König ein in die blendende Gottesherrlichkeit. Statt mit der schimpflichen Dornenkrone ist er nun mit Ehre und Herrlichkeit gekrönt. Er sitzt auf dem höchsten Throne und hat von seinem Vater unumschränkte Herrschergewalt erhalten über alle Völker der Erde. Als mitleidsvoller, mit unsern Schwachheiten vertrauter Hoherpriester zeigt er dem Vater ohne Unterlaß die Wundmale, die er auch in seiner Verklärung beibehalten wollte, und bewegt ihn dadurch zum Erbarmen. Er ist unser Fürsprecher beim Vater (I Joh. 2,1).
Christus zog nicht allein in den Himmel ein, an seinem Triumphzug nahm die ganze menschliche Natur teil. «Gott», sagt der hl. Paulus (Eph. 2, 4-6), «hat uns mitbelebt in Christus und mitauferweckt und in Christus Jesus mitversetzt in den Himmel.» Er ist nicht allein aufgefahren, er hat nicht allein den Thron der Herrlichkeit bestiegen, sondern wir mit ihm: «Gottes Sohn hat die mit ihm als Glieder zu einem Leibe zusammengeschlossenen Gläubigen zur Rechten des Vaters gesetzt» (hl. Leo der Große). So findet das erhabene Geheimnis der Himmelfahrt seine Fortsetzung, bis mit der Aufnahme des letzten Auserwählten der mystische Leib Christi seine Vollendung erreicht haben wird." (...)
In der Ausgabe von 1966 nach 3 Jahren liturgischen Zerstörungswerks lesen wir mit ungläubigem Staunen:
Legendäre Überlieferungen von Menschen, die den Himmel erstiegen haben sollen, sind uns aus der altorientalischen Welt bekannt. Das Alte Testament wertet sie als Ausdruck wahnsinniger Vermessenheit. Und doch haben auch in der Schrift selbst solche Überlieferungen ihren Platz gefunden: da ist eine „Himmelfahrt“ des Henoch und des Elias; nach jüdischer (außerbiblischer) Überlieferung auch des Moses. Man mochte auf diese Weise die Tatsache erklären, daß die Grabstätten dieser Männer nicht aufzufinden waren. Dazu kommt ein geistig-religiöses Moment: diese Menschen konnten zum Himmel aufsteige; weil sie „gerecht“ und „vollendet“ waren, aber nur weil Gott selbst sie „hinwegnahm“; außerdem müssen sie zur Erde zurück, um ihr Leben zu beschließen und die Nähe der Endzeit zu verkünden.
Nun steht die theologische Überlegung des Urchristentums vor der Himmelfahrt Christi als einer Tatsache; wie hat sie diese Himmelfahrt verstanden und gedeutet?
Zunächst finden wir eine noch stark jüdisch geprägte Auffassung, die von der Himmelfahrt Christi in Ausdrücken spricht, wie sie der jüdischen Umwelt geläufig waren: Christus wurde „hinweggenommen“ so etwa wie Henoch und Elias, und wie diese wird auch er in der Endzeit wieder zur Erde kommen (Apg 1, 9-11). Hier müssen wir unterscheiden zwischen der Wirklichkeit des Ereignisses und der bildhaften Form seiner Darstellung: Bei Gott Vater gibt es nicht rechte und linke Seite, also hat Christus sich nicht zu seiner Rechten gesetzt in grob materiellem Sinne. Was den Aufenthaltsort des auferstandenen Herrn betrifft, sollen wir uns davon jedenfalls keine allzusehr materielle räumliche Vorstellung machen.
Im übrigen führen andere Stellen des Neuen Testaments uns von der bildhaften Darstellung weg und mehr zur Sache selbst hin. Sie betrachten die Himmelfahrt Christi als das normale Gegenstück seiner Erniedrigung am Kreuz (Phil 2, 6-11); in ihr vollzieht sich das Grundgeschehen des Ostermysteriums: durch den Tod zum Leben, durch das Kreuz zur Herrlichkeit." (Es folgen weitere Abschnitte gleicher Tonart)
Der Große Sonntagsschott von 1975 ist über diese primitiv-häretische Phase hinaus. Seine Einführung besteht aus wenigen dürren Sätzen in vollendetem Theologenspeak:
Christus ist zum Himmel nicht einfach zurückgekehrt. Er ist beim Vater als der Menschgewordene und Gekreuzigte, als unser Priester und Fürbitter. Unsere Menschennatur ist hineingenommen in die große Lebensbewegung des dreifaltigen Gottes: Vom Vater zum Sohn, vom Sohn zum Vater, in der Glut des heiligen Geistes
Christus ist von der Erde nicht einfach weggegangen. Er bleibt anwesend in seiner Kirche und durch sie in der Welt, für die Welt. Die Gemeinde weiß ihn gegenwärtig in ihrer Mitte: den Herrn, den Kyrios, zu dem sie ruft: Kyrie, eleison: Herr erbarme dich."
Daß die moderne Gesellschaft am „Herrentag“ großenteils nichts besseres zu tun weiß, als sich zu besaufen, kann angesichts dieser progressiven Entwicklung kaum überraschen.
Findet Rom wieder die Kraft zur Leitung der Kirche?
27. 5. 2011
Primitive Angriffe auf Papst Benedikt und seine Bemühungen zur Wiederherstellung der Liturgie sind in Deutschland an der Tagesordnung. Erst diese Woche mußten wir erleben, daß nicht nur Theologieprofessoren oder Bischöfe, sondern auch ein leibhaftiger Kardinal ihre Gegnerschaft zum Papst öffentlich zu Protokoll geben: Was schert uns Rom? Allerdings mehren sich seit ein, zwei Jahren die Anzeichen dafür, daß „Rom“ offenbar nicht mehr bereit ist, die Dissidenz da, wo sie entscheidende Fragen berührt, mit resignativem Schulterzucken hinzunehmen. Jeff Mirus von CatholicCulture.orgh beschrieb dieser Tage die Anzeichen für einen Wandel in einem ausführlichen Kommentar – hier daraus einige Beispiele:
Nun, im sechsten Jahr seines Pontifikats beginnt der Papst damit, Beispiele zu setzen, indem er besonders schlechte Bischöfe aus dem Amt entfernt - alleine drei mal im letzten Jahr In einigen Fällen gab es schon seit längerem laufende Verfahren , etwa die Apostolische Visitation der amerikanischen Frauenorden oder der Diözese Toowoomba in Australien, aber solche Untersuchungen bedeuten noch lange nicht, daß es auch zu Konsequenzen kommt. Daher bedeutet die Entfernung mehrerer Bischöfe aus dem Amt einen Gezeitenwechsel.
Das Sprichwort sagt: Die Flut hebt alle Schiffe an, und so sehen wir erfreut (aber dankenswerterweise nicht völlig überrascht), daß der Vatikan nun zunehmend auch Druck auf die katholischen Sozialdienste ausübt. Soeben hat er sein Veto gegen den vorgesehenen Hauptredner für die Generalversammlung von Caritas International eingelegt - einen sehr prominenten Dominikanerpater (vom ultraprogressistischen Flügel - Anm. d. Übsrs.) Darüberhinaus hat Kardinalstaatsekretär Bertone der Versammlung eine Lektion, darüber erteilt, was es für eine Wohltätigkeitsorganisation bedeutet, eine katholische Identität zu haben."
Diese Lektion traf die Vertreter der bei der Caritas grassierenden NGO-Mentalität umso härter, als der Vatikan zuvor schon sein Veto gegen eine Wiederwahl der langjährigen Generalsekretärin Lesley-Anne Knight eingelegt hatte, die als eine Exponentin dieses weitgehend säkularisierten Sozialarbeits-Denkens gilt. Nun kann man gespannt sein, ob und wann sich in dieser Sache auch für Deutschland erste Auswirkungen zeigen, wo die Bischöfe im vergangenen Jahr mit ihrem Dokument Berufen zur caritas ein deprimierendes Bild prinzipienloser Verweltlichung zeichneten. Immerhin - auf der Website der DBK ist es schon nicht mehr auffindbar.
Jetzt bleibt nur noch abzuwarten, wann der Vatikan dem ersten deutschen Bischof zu verstehen gibt, daß man den traditionstreuen Katholiken nicht einfach sagen kann: „Wenns euch hier nicht passt, geht doch nach drüben!“. Oder wann die Vertreter der Bruchtheologie in Purpur und Violett die Ermahnungen aus Rom auch beherzigen.
Dieter Philippi bei der Überreichung
Eine Tiara für den Papst!
25. 5. 2011
Bei der heutigen Generalaudienz auf dem Petersplatz überreichte der große Fachmann für und Sammler von kirchlichen Kopfbedeckungen, Dieter Philippi, dem hl. Vater eine Tiara. Sie stellt ein gemeinsames Geschenk Philippis und einer Gruppe Bulgarischer Orthodoxer Christen an den Papst dar.
Fr. Zuhlsdorf hat aus Anlaß der Überreichung dieses Geschenks eine Umfrage unter den Besuchern seines Blogs veranstaltet, ob und unter welchen Umständen sie sich die Wiedereinführung der Tiara für den zeremoniellen Gebrauch vorstellen können - immerhin 80% waren dafür.
Noch ein paar mehr Bilder von der Übergabe des denkwürdigen Geschenks gibt es bei John Sonnen auf Orbis Catholicus.
Erzbischof Berlocco in Brüssel
Pontifikalamt und Firmungen in Brüssel
24. 5. 2011
Im Rahmen eines feierlichen Pontifikalamtes erteilte Erzbischof Berlocco, Päpstlicher Nuntius in Belgien, am vergangenen Sonntag mehr als 30 Kindern (und auch einigen von deren Eltern) das Sakrament der Firmung. Gleichzeitig empfingen 25 Kinder die erste hl. Kommunion. Das Hochamt in der außerordentlichen Form des römischen Ritus fand statt in der Kirche des Konvents zur hl. Anne Boitsfort, die der Fürsorge des Instituts Christus König und Hoher Priester anvertraut ist.
Der Gottesdienst war mit mehr als 400 teilnehmenden Gläubigen so gut besucht, daß der Platz in der Kirche nicht ausreichte und die Zeremonie über Haus-TV in einen weiteren Raum übertragen werden mußte.
Das ICKHP wirkt in Brüssel unter anderem an der „Brussels International Catholic School“ mit mehr als 250 Schülerinnen und Schülern, für die die Teilnahme an der überlieferten Liturgie der Kirche inzwischen eine Selbstverständlichkeit geworden ist. Neuerdings hat das ICKHP von Brüssel auch eine Website, auf der noch weitere Informationen und Bilder zu sehen sind.
Martin Mosebach
Martin Mosebach:
„Diesen Zorn muss die Kirche ertragen“
23. 5. 2011
Die Tagerszeitung Die Welt bringt heute ein Interview mit Martin Mosebach über die Ausführungsbestimmungen zu Summorum Pontificum und die Auswirkungen auf die Weltkirche. Wir zitieren einige Kernsätze
Die Welt Es ist in der Instruktion von „zwei Gebrauchsweisen des einen römischen Ritus“ die Rede. Öffnet dies nicht die Tür für eine schleichende neue Kirchenspaltung?
Martin Mosebach Es gibt ja bereits eine Kirchenspaltung, aber nicht zwischen den Anhängern des Alten und des Neuen Ritus, sondern zwischen all jenen Katholiken, die an der vom II. Vatikanischen Konzil feierlich bestätigten alten Sakramentstheologie der Kirche festhalten, und denjenigen, die behaupten, es sei im II. Vatikanischen Konzil eine neue Kirche gegründet worden, mit einer neuen Theologie und neuen Sakramenten. Diese zweite Doktrin ist in großem Umfang wider besseres Wissen in den Seminarien, den Universitäten und in den katholischen Akademien verbreitet worden und hat tatsächlich die Gefahr einer Spaltung gefördert. (...)
Der Streit beruht im Wesentlichen auf dem für die Kirche lebensgefährlichen Missverständnis, das II. Vatikanum habe eine neue Kirche gegründet. Der Streit um dieses Missverständnis muss ausgetragen werden. Es hilft der Kirche nicht, ihn mit friedlichen Phrasen zu überdecken. (...)
Tatsächlich sind die Gläubigen, die am Alten Ritus festhalten oder ihn ganz neu entdeckt haben, in einer Form beschimpft worden, die hoffentlich nicht Aufschluss über den spirituellen Wert des Reformismus gibt. Unvergessen Karl Rahners Wort, die Gegner der Messreform seien „in ihrer Humanität gescheiterte tragikomische Randfiguren“. Aber unter jüngeren Priestern wird man heute überraschend viel Verständnis für die Anliegen der Tradition finden.
Hier finden sie den vollständigen Terxt des Interviews auf der Website der WELT unter der Überschrift: „Diesen Zorn muss die Kirche ertragen“.
Bischof Gebhard Fürst von Rottenburg-Stuttgart
Bischof Fürst:
„Priesterinnen?“ - warum nicht.
Alte Messe - eher nein.
20. 5. 2011
In dem unter Datum vom 20. Mai in der Ludwigsburger Kreiszeitung veröffentlichten Interview mit Bischof Fürst fielen uns zwei Absätze besonders auf:
Warum also nicht gleich auch weibliche Priester? „Auf den ersten Blick ist das paradox“, antwortet der Bischof und beginnt dann aus der Kirchengeschichte heraus zu argumentieren. Es fallen Wörter wie „Wirklichkeitsverständnis aus der Gründungszeit“, „symbolisches Denken“ oder „der Priester, der Christus darstellt“. Er gibt zu: „Heute ist das alles nicht mehr so verständlich.“ Er verstehe, dass sich die Frauen in diesem Punkt ausgeschlossen fühlen, doch der katholische Kosmos bestehe eben nicht nur aus fortschrittlichen Ländern, wie Deutschland oder den USA, in denen weibliche Priester denkbar seien."
Und:
Dass in den katholischen Gemeinden der Wille zu Veränderungen und Reformen herrscht, leitet er auch aus der geringen Zahl von streng traditionellen Katholiken in seiner Diözese ab. Sehr, sehr klein sei der Anteil von Gläubigen, die eine Messe nach altem Ritus wünschen, wie er zum Beispiel von der Petrusbruderschaft in Schwäbisch Gmünd angeboten wird. „Ich befördere diese Bewegung nicht“, sagt er. Die Glaubenshaltung dieser Menschen, die er auf 300 schätzt, sei oftmals fundamentalistisch, der Dialog mit ihnen sehr schwierig."
Vielen Dank für diese Beschreibungen des Neukatholischen Selbstverständnisses und seiner Grenzen des Dialogs.
Toowoomba ist überall.
Erklärung der Piusbruderschaft zu „Universæ Ecclesiæ“
19. 5. 2011
Der Pressedienst der deutschen Piusbruderschaft hat heute eine von P. Matthias Gaudron als Dogmatiker der Priesterbruderschaft erarbeitete Erklärung veröffentlich. Hier der Wortlaut:
Da im Zusammenhang mit den am letzten Freitag veröffentlichten Ausführungsbestimmungen zum Motu Proprio Summorum Pontificum vom 07.07.2007 sehr viel über die Haltung der Priesterbruderschaft St. Pius X. bezüglich der neuen Messe gesprochen wurde, sehen wir uns genötigt, unsere Position zur Klärung aller Fragen kurz zusammenzufassen:
1. Zur Frage des Papstamtes
Die Priesterbruderschaft St. Pius X. anerkennt Papst Benedikt XVI. als rechtmäßigen Papst und als Oberhaupt der katholischen Kirche. In sämtlichen von der Priesterbruderschaft St. Pius X. zelebrierten Messen wird im Hochgebet der Name des Heiligen Vaters sowie der Name des jeweiligen Ortsbischofs genannt.
Leider wird die Priesterbruderschaft St. Pius X. bisweilen mit den sogenannten Sedisvakantisten verwechselt. Das sind Geistliche und auch Laien, die ohne jede kirchliche Hierarchie einen losen Zusammenschluss bilden, der sich vor allem auf die Behauptung stützt, die Kirche habe kein Oberhaupt mehr, da die Konzilspäpste wegen ihrer Irrtümer ihr Amt verloren hätten.
Manche Vertreter dieser Gruppen haben auch schon mehrfach versucht, selbstständig einen neuen Papst zu wählen. Dieses Vorgehen ist nicht nur unkirchlich, sondern gibt die Tradition oft geradezu der Lächerlichkeit preis.
2. Zur Frage der neuen Messe
Die Bruderschaft bestreitet nicht die Gültigkeit der neuen Messform. Wenn sie korrekt gefeiert wird – was an vielen Orten allerdings nicht mehr selbstverständlich ist – ist sie eine gültige Messfeier.
Wohl aber hat die Priesterbruderschaft St. Pius X. begründete Zweifel an der Rechtmäßigkeit der veränderten Messform. Im Zuge der Reform wurde der Ritus so sehr geändert, dass man dies als Protestantisierung bezeichnen kann.
Während die katholische, überlieferte Messe das Sühnopfer Jesu am Kreuz für die Sünden der Welt darstellt, zeigt sich die konziliare Liturgie eher als eine Mahlfeier im Andenken an Jesus.
Die alte Messe kann nicht anders verstanden werden denn als Opfer, und zwar als Sühneopfer für die Sünden der Welt.
Die neue Messe kann und wird von den modernen Bischöfen, Priestern und Theologen als Mahl verstanden, als Gemeinschaftsmahl in Christus, als Liebesfeier Jesu.
Kein Konzilstheologe wird die neue Messe als das Sühnopfer Christi bezeichnen.
Damit wird klar, dass die veränderte Messform kein vollgültiger Ausdruck der katholischen Lehre vom Messopfer ist und die Menschen vom Glauben wegführt, anstatt sie in diesem zu nähren und zu stärken. Aus diesem Grund – nicht aus Nostalgie oder Anhänglichkeit an alte Gebräuche – lehnt die Priesterbruderschaft St. Pius X. die Verwendung der neuen Messform ab."
Dazu einige Anmerkungen.
Die Formulierung, die Priesterbruderschaft habe „begründete Zweifel an der Rechtmäßigkeit der veränderten Messform“, erscheint unglücklich. Beziehen sich die Zweifel auf den Prozess des Zustandekommens und der Promulgation des Novus Ordo? Oder kommt hier doch wieder ein Zweifel an der Zulässigkeit zum Ausdruck? Warum spricht P. Gaudron hier von „Rechtmäßigkeit“, wo doch, wie im folgenden ja auch angedeutet wird, eher die Angemessenheit der neuen Form der Feier oder die Klugheit der Reform in Frage gestellt wird?
Allerdings erscheint auch hier die Wendung „Kein Konzilstheologe wird die neue Messe als das Sühnopfer Christi bezeichnen.“ als nicht besonders gelungen. Was heißt „Konzilstheologe?“ Und inwieweit kommt es auf darauf an, was solche sagen? Ist der Papst kein „Konzilstheologe“? Jedenfalls ist auch der theologisch unangreifbare Römische Kanon als 1. Hochgebet Bestandteil der neuen Liturgie – auch wenn er in der deutschen gottesdienstlichen Wirklichkeit auf schandbare Weise unterdrückt wird.
Die Situation um die neue Messform ist zu verwickelt, um in einer einseitigen Presseerklärung der „Klärung aller Fragen“ näherzukommen. Das schafft ebensoviele Unklarheiten, wie es – vielleicht – auflöst.
Kardinal Cañizares, Präfekt der Gottesdienstkongregation, zelebriert 2010 im alten Ritus am Alter der Laterankirche.
Radikale Kritker von „Universæ Ecclesiæ“ verlassen die Einheit mit dem Papst
18. 5. 2011
In Deutschland fanden die langerwarteten Ausführungsbestimmungen zu Summorum Pontificum eine eher ruhige Aufnahme: Die meisten Anhänger der überlieferten Liturgie freuten sich, daß viele – meist bewußt hineininterpretierte – Schwachstellen des Motu Propri nun im Sinne der Kontinuität entschieden sind. Die Bischofskonferenz ließ durch ihren Sekretär Langendörfer tun, was sie am liebsten tut: nämlich so, als sei nichts gewesen. Nur ein paar Professoren der Liturgologie, namentlich die Herren Gerhards (Bonn) und Kranemann (Münster) fielen aus dem Rahmen – das kann man verstehen, denn immer öfter müssen sie zur Kenntnis nehmen, daß ihre Hermeneutik des Bruches im Zentrum der Weltkirche nicht mehr gefragt ist.
In den angelsächsischen Ländern war der Streit heftiger. Der Erzbischof von Westminster preschte mit der Erklärung vor, heutige Seminaristen seien so stark belastet, daß man da wohl kaum noch Raum für das Studium der alten Lituirgie fände, und bei den „Progressiven“ in den USA – wenn man denn die Diskussionen auf Pray Tell zum Maßstab nehmen darf - brachen Entrüstungsstürme aus, denen gegenüber die laue Haltung des deutschen Episkopats nachgerade als Ausdruck stürmischer Liebe und unerschütterlicher Treue zum Nachfolger Petri wirken konnte.
Bei denen, die da das große Wort führten – es gab auch Gegenstimmen – fielen einige eng miteinander zusammenhängende Denkfiguren deutlich ins Auge. Das liturgische Denken geht ausschließlich von der konkret zur Feier versammelten Gemeinde, ihren aktuellen Bedürfnissen, Wünschen, und Emotionen aus. Die Kirche und Christus als Subjekt des eucharistischen Opfers kommen darin bestenfalls am Rande vor. Die Gemeinde beansprucht Autonomie und nur in diesem Sinne auch größtmögliche Freiheit – der römische Ritus in seiner Objektivität wird da als unerträglicher Fremdkörper empfunden, für den es keinerlei Freiheit geben kann, und der Anspruch des Papstes zur Regelung der Liturgie erscheint als feindliche Aggression „von außen“.
Es ist schwer vorstellbar, daß die Wortführer dieser Tendenz ihren Platz auf Dauer in der katholischen Kirche finden können.
Erstaunlicherweise gab es jedoch auch auf Seiten von traditionell orientierten Katholiken heftigen Widerspruch zu Universae Ecclesiae, am lautesten und unsachlichsten vielleicht in den Leserreaktionen des hier oft zustimmend zitierten Blogs Rorate Caeli. Die dort geübte Kritik, die selbst vor übelsten Verdächtigungen und Angriffen auf den Papst nicht zurückschreckte, bedarf näherer Untersuchung.
Die am heftigsten angegriffenen Festlegungen der Ausführungsbestimmungen sind:
- Wer die alte Liturgie in Gemeinschaft mit dem Papst feiern will, darf die Gültigkeit und Legitimität der Liturgie Pauls VI. nicht bestreiten oder dem Papst die Anekennung als Oberhaupt verweigern (Absatz 19). Hier wurde insbesondere die Wendung der „Legitimität“ angegriffen.
- Die Regelungen für die Ausbildung der Seminaristen im alten Ritus sind nicht verbindlich genug formuliert (21 – 22)
- In das Missale der überlieferten Liturgie werden neue Heilige und „einige“ neue Präfationen eingefügt.
- In „gelesenen“ Messen – und nur dort – können die Lesungen vom Priester alleine in der Volkssprache vorgelesen werden (26).
- Die Verwendung des alten Rituale für die Priesterweihe ist auf die Gemeinschaften beschränkt, die auch sonst stets die alten Bücher verwenden. (31)
Dazu unsere kurze Stellungnahme:
- Die Forderung, die „Legitimität“ der Reform von 1969 anzuerkennen, bedeutet ja nicht, diese Reform als gelungen oder auch nur als angemessen und klug zu akzeptieren. Die Reform ist im Rahmen des geschriebenen Gesetzes der Kirche zustande gekommen, sie ist daher gültiges Recht und die auf ihrer Grundlage gefeierte Messe ist, sofern die übrigen Voraussetzungen vorliegen, eine gültige hl. Messe der Kirche. Wer das nicht anerkennt, stellt sich in der Tat außerhalb der Gemeinschaft mit den Päpsten seit Paul VI.
Andererseits bedeutet die Anerkennung dieser Legitimität nicht, die bestehende Rechtslage nicht für dringend verbesserungsbedürftig und das aktuelle Missale nicht für ein Ergebnis verhängnisvoller Fehlentscheidungen halten zu dürfen. - Bei den Vorgaben zur Seminaristenausbildung hätte man sich in der Tat kräftigere Wendungen vorstellen können. Andererseits ist es aber auch nicht sonderlich eindrucksvoll, wenn der Papst starke Worte verwendet, wo ihm nur schwache Kräfte zu Gebote stehen. Schließlich steht auch im Kirchenrecht von 1983 die Mußvorschrift, den Seminaristen profunde Lateinkenntnisse zu vermitteln – ohne daß dies bisher durchzusetzen war. Mit der Verleihung weitgehender Befugnisse an die Kommission Ecclesia Dei auch gegenüber Bischöfen (12) und dem Aufruf an diese, dem klar geäußerten Willen des Papstes zu entsprechen (13), hat der Papst wohl gesagt, was heute sinnvoll gesagt werden kann.
- Die Kritik an dir Bestimmung zur Aufnahme neuer Heiliger und Präfationen ist nur dann verständlich, wenn man die „alte Messe“ nur noch als Relikt und Reliquie der Vergangenheit betrachtet, das jeder Veränderung enthoben ist. Die Aufnahme neuer Messformulare für neue Heilige gehört seit unvordenklichen Zeiten zur Tradition des römischen Ritus, und die meisten „neuen“ Präfationen des Missales von 1969 haben eine ehrwürdige Vergangenheit als Bestandteile früherer Stadien oder von Lokalformen der lateinischen Liturgie. Die mit den „Reinigungsbemühungen“ nach Trient teilweise eingetretene Verarmung des römischen Ritus kann auf diese Weise partiell wieder gutgemacht werden – vielleicht folgen dem eines Tages auch andere Schritte zur Wiedergewinnung traditioneller Schätze, die bereits vor 1969 verloren gegangen sind.
- Während der Verzicht auf den lateinischen Vortrag im gesungenen Amt zweifellos eine Reduktion des latreutischen Charakters der Lesung bedeuten würde, kann man das für die Missa lecta kaum sagen: Je nach dem Gläubigenkreis bedeutet die lateinische Lesung mit nachfolgender Übersetzung eine bedeutungsarme Verdoppelung, die keinen besonderen eigenen Wert darstellt. Im übrigen handelt es sich um eine Kann-Vorschrift: Wo Priester und Gemeinde das wollen, können sie bei der Verdoppelung bleiben.
- Die Beschränkung der Priesterweihe nach dem Zeremoniale von 1962 auf die Institute und Gemeinschaften, die regulär die alte Liturgie verwenden, erscheint in der Tat zunächst als eine „diskriminierende“ Einschränkung – um das Modewort der Saison zu verwenden. Bei näherem Hinsehen werden jedoch auch akzeptable Gründe erkennbar. Ist es wünschenswert, daß das Presbyterat einer Diözese aus zwei Gruppen besteht, die nach verschiedenen Riten geweiht worden sind? Soll man es riskieren, daß Gläubige anfangen, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, wer denn nun „richtig“ und wer nicht so ganz richtig geweiht worden wäre? Und schließlich: Das alte Zeremoniale setzt für die Priesterweihe den Empfang der niederen Weihen voraus, die mit „Universae Ecclesiae“ ganz nebenbei für die Gemeinschaften des alten Ritus wieder in Kraft gesetzt worden sind – nicht aber für den Diözesanklerus.. Hier spricht vieles für eine deutliche Unterscheidung.
Die so entgegengesetzten Kritiken an Universae Ecclesiae in „Pray Tell“ und „Rorate Caeli“ und der aggressive Ton, in dem sie vorgetragen werden, müssen beunruhigen. Die progressitische Seite ist offenbar nicht willens und im Stande, irgend etwas zu ertragen, was ihrem Wunschbild eines nach dem Konzil efolgten weitgehenden Bruchs mit der Tradition der Kirche widerspricht, so wie das ja auch die deutschen Theologen deutlich gemacht haben. Sie akzeptiren nur den Novus Ordo – und den nicht so, wie ihn Sacrosanctum Concilium auf Grundlage der Tradition umrissen hat, sondern so, wie sie sich ihn als völlige Neuschöpfung zurecht phantasiert haben. Und Ihre Gegenstücke auf der Tradiseite wollen als „Kontinuität“ anscheinend nur das anerkennen, was ohne das geringste Zeichen von Weiterentwickloung auf einem Stand von vor 50 oder vor hundert Jahren festgenagelt bleibt – obwohl es diese Art von Bewegungslosigkeit in der Tradition der Kirche niemals gegeben hat.
Der rote Kreis markiert den Verklärungsaltar
Tägliche Messfeier
im überlieferten Ritus
in der Peterskirche
16. 5. 2011
Ein Pontifikalamt im alten Ritus wird für die Peterskirche eher eine seltene Ausnahme bleiben - hl. Messen nach den Büchern von 1962 sind es längst nicht mehr. Fr. Mark Whithoos, der zum Stab der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei gehört, liest an jedem Tag, an dem er keine auswärtigen Verpflichtungen hat, um 7 Uhr seine Messe am Altar der Verklärung - wenn man rechtzeitig da ist (der Einlass beginnt um 7), kann man gerne daran teilnehmen.
Während es vor vor Jahren noch eine Seltenheit war, in der Peterskirche einen nach dem überlieferten Ritus zelebrierenden Priester anzutreffen, hat sich das inzwischen völlig geändert. Fr. Finegan von „The Hermeneutic of Continuity“ schätzt, daß mittlerweile etwa ein Drittel der Frühmessen in der Kirche in der alten Form gefeiert werden. Er empfiehlt allen, die an einer solchen Messe teilnehmen wollen, vor dem Eingang zur Sakristei (Nr. 29 auf dem Plan) zu warten, bis ein Priester mit entsprechenden Kennzeichen (Birett, Kanontafeln usw.) herauskommt, und sich ihm anzuschließen.
Kardinal Brandmüller am Altar der Kathedra
Feierliches Pontifikalamt
im überlieferten Ritus
in der Peterskirche
15. 5. 2011
Zum Abschluß der 3. römischen Konferenz zu Summorum Pontificum (Bericht folgt) zelebrierte S.E. Walter Kardinal Brandmüller heute ein Pontifikalamt im außerordentlichen Ritus am Altar der Kathedra in der Peterskirche - das erste seit über 40 Jahren.
Die Leitung des Chors der Sixtinischen Kapelle übernahm zu diesem Anlaß der gleichzeitig mit S.E. Brandmüller im vergangenen Herbst zum Kardinal erhobene Domenico Kardinal Bartolucci.
Kardinal Bartolucci dirigiert den Chor der Sixtina
Der inzwischen 93-jährige Bartolucci war seinerzeit noch unter Papst Pius XII. auf Lebenszeit zum Dirigenten dieses Chores ernant worden, wurde aber in den 90er Jahren auf Betreiben der Liturgiereformer aus dem Amt gedrängt.
Zusammen mit der am Freitag erfolgten Veröffentlichung von Universæ Ecclesiæ verdeutlicht diese Form der Rückkehr der überlieferten Liturgie in die Peterskirche unübersehbar, daß einer der verhängnisvollsten Fehler der Liturgiereform Papst Pauls VI., nämlich der Anschein eines „Verbotes“ der überlieferten Liturgie und die damit verbundene Konzeption eines Bruches in Lehre und Gottesdienst der Kirche, von Papst Benedikt nachdrücklich korrigiert worden ist: Was früher das Heiligste und das Höchste war, kann unmöglich verboten oder auch nur für überholt und nicht mehr zeitgemäß erklärt werden.
Weitere Bilder und ein Video auf Orbis Catholicus Secundus.
„Universæ ecclesiæ“ –
Summorum Pontificum betrifft die ganze Kirche.
14. 5. 2011
Nun war unser „Chefredakteur“, wenn wir ihn denn so nennen wollen, diese Woche eigens in Rom, um nicht bloß den Text von Universae Ecclesiae zu bekommen, sondern auch mehr von Hintergründen, Positionen und Perspektiven zu erfahren - und dann klappt es nicht so recht mit dem Internetzugang, und wir kommen erst heute ins Netz.
Aber vielleicht ist es auch kein Fehler, etwas zuzuwarten. Zunächst bringen wir den Text, hier in nicht immer einwandfreier deutscher Übersetzung, hier auf Latein und hier eine ergänzende Kommentierung aus Sicht der Pressestelle des Vatikans.
Unser erster Eindruck: Die Päpstliche Kommission Ecclesia Dei hat die drei Jahre, in denen Erfahrungen mit dem Motu Proprio gesammelt werden sollten, dazu genutzt, all die gewollten und ungewollten Missverständnisse und Fehldeutungen von Summorum Pontificum bei Bischöfen und Ordinariaten aufzugreifen und ihnen für die Zukunft einen Riegel vorzuschieben. Die einleitenden Worte Universæ Ecclesiæ und die ersten Absätze der Instruktion machen darüberhinaus unmißverständlich deutlich: Mit Summorum Pontificum geht es nicht darum, unverbesserlichen Nostalgikern die Zeit bis zum Aussterben zu versüßen, sondern darum, der ganzen Kirche den historischen Reichtum der römischen Liturgie auf Dauer zu bewahren. (Abs. 1 - 8)
Da diese Absicht von den Hermeneutikern des Bruches auf Bischofs- und Professorenstühlen in vielen Fällen konterkariert worden ist, hat "der Heilige Vater ... der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei für den Bereich ihrer Zuständigkeit ordentliche, stellvertretende Hirtengewalt verliehen, insbesondere für die Aufsicht über die Einhaltung und die Anwendung der Vorschriften des Motu proprio Summorum Pontificum". Daran wird sich keiner mehr vorbeimogeln können. (Abs. 9 - 11), auch dissidentische Diözesanbischöfe nicht (Abs. 12 - 14).
Sodann treffen die Ausführungsbestimmungen in vielen Einzelfragen, in denen die Ortsautoritäten bisher die Zielsetzung von Summorum Pontificum unterlaufen haben, klare Regelungen. Einige der wichtigsten:
- Die Gruppe der Gläubigen, die sich zur Feier der alten Liturgie zusammenfindet, bedarf keiner Mindestgröße, sie darf aus verschiedenen Pfarreien und Diözesen kommen. (15)
- Diese Feier ist prinzipiell in allen Pfarrkirchen, Kapellen oder Wallfahrtskirchen möglich (16 - 18).
- An die Priester, die die alte Liturgie feiern, sind keine unbilliogen Anforderungen zu stellen: eine „grundlegende Kenntnis“ des Latein, „die es erlaubt, die Worte richtig auszusprechen und deren Bedeutung zu verstehen“, reicht aus (19 - 20).
- Die Ordinarien sollen darüberhinaus dafür sorgen, daß Priester und Seminaristen Möglichkeiten geboten bekommen, die alte Liturgie zu erlernen.(21).
- Die Rubriken der liturgischen Bücher von 1962 sind genau einzuhalten; wo anderslautende Vorschriften später erlassener liturgischer Gesetze von ihnen abweichen, haben die Rubriken von 1962 Vorrang.(22 - 23)
- Besondere Regelungen werden die Erstellung neuer Formulare für „Neue Heilige“ sowie die Übernahme „neuer“ Präfationen (die im allgemeinen ebenfalls uralt sind) ermöglichen (Abs. 24 - 28).
- Die Erteilung der Tonsur und der niederen Weihen folgt in den Ecclesia-Dei-Gemeinschaften weiterhin dem Pontificale von 1962, aber die Eingliederung in den Klerus erfolgt laut geltendem Recht von 1983 endgültig erst durch den Empfang der Diakonenweihe.
- Dabei ist die Verwendung des Pontifikale von 1962 für die Spendung der Weihen nur in den Ecclesia-Dei-Gemeinschaften zulässig.
- Alle Kleriker können das Brevier in der Form von 1962 beten.
- Die Feier des österlichen Triduums in der alten Form kann z.B. in einer Pfarrkirche auch dann stattfinden, wenn dort bereits das Triduum nach der modernen Liturgie gefeiert wird.
Die ersten Reaktionen auf die neuen Ausführungsbestimmungen machen deutlich, daß Bischöfe und Theologen, die in der „erneuerten Liturgie Papst Pauls VI.“ eine Abkehr von vermeintlich verfehlten liturgischer Entwicklungen der letzten 1500 Jahre oder gar den Ausdruck einer neuen Ekklesiologie sehen, ihren Widerstand gegen die gleichberechtigte Zulassung der alten Form nicht aufgeben werden. Aber sie werden es in Zukunft schwerer haben, Priestern und Gemeinden ihren Willen aufzuzwingen, und das nicht nur wegen der gestärkten Stellung von Ecclesia Dei.
Die Klage des Erfurter „Bruch-Hermeneutikers“ Kranemann, daß die "Kritik aus der Bischofskonferenz und von Theologen" an Summorum Pontificum bei der Abfassung der Instruktion „keinerlei Berücksichtung gefunden“ hätten, macht deutlich, daß diese Positionen gesamtkirchlich nicht mehr relevant sind.
Papst Benedikt zu Tradition und Fortschreiten in der Liturgie
7. 5. 2011
Am gestrigen Freitag hat Papst Benedikt vor den Teilnehmern eines Kongresses aus Anlass des 50-jährigem Bestehen des Päpstlichen Liturgischen Instituts Sant'Anselmo eine Rede zu Stand und Problemen der Liturgie gehalten. Der Text liegt bisher erst auf Italienisch vor – wir geben hier eine englische Zusammenfassung vom Pressedienst des Vatikans wieder.
Der Papst erinnerte daran:
Der Selige Papst Johannes XXIII. hat in Anerkenntnis der Forderungen der liturgischen Bewegung, die dem Gebet der Kirche neue Kraft und einen neuen Geist geben wollte, kurz vor und während des Vatikanischen Konzils die Benediktiner auf dem Aventin darum gebeten, ein Studien- und Forschungszentrum einzurichten, das der konziliaren Reform eine solide Grundlage geben sollte.“
In Bezug auf das Thema des Kongresses „Das Päpstliche Liturgische Institut – Zwischen Gedächtnis und Prophetie“ sagte der Papst, daß „Gedächtnis“ für die Arbeit des Instituts stehe, das in 50 Jahren Arbeit akademischer Liturgischer Bildung seinen Beitrag zur Rezeptiond es Zweiten Vatikanischen Konzils in der Kirche geleistet habe. Er betonte dann,
daß der Ausdruck „Prophetie“ unseren Blick auf neue Horizonte hin ausweitet. Die Liturgie übersteigt die „konziliare Reform“, deren Ziel tatsächlich in erster Linie nicht darin bestand, die Riten und die Texte zu verändern, sondern die geistige Haltung zu erneuern und das Paschamysterium in den Mittelpunkt des christlichen Lebens und der pastoralen Arbeit zu stellen. Unglücklicherweise wurde die Liturgie wohl – auch von uns Hirten und Experten – mehr als ein Objekt gesehen, das es zu reformieren gelte, als ein Subjekt mit der Fähigkeit, das Leben der Christen zu erneuern. Dabei besteht eine sehr enge und organische Verbindung zwischen der Erneuerung der Liturgie und der Erneuerung des ganzen Lebens der Kirche“.
Die Liturgie besteht in einem angemessenen und ständigen Verhältnis zwischen gesunder ‚traditio‘ und legitimer ‚progressio‘, wie das im Abschnitt 23 der Konzilskonstitution Sacrosanctum Concilium deutlich gesehen wird. Nicht selten stehen Tradition und Fortschritt in einer verhängnisvollen Frontstellung. Dabei sind diese beiden Konzepte eng aufeinander bezogen: Die Tradition ist eine lebendige Realität, die als solche in sich auch das Prinzip der Entwicklung und des Voranschreitens enthält.“
Der hl. Vater schloss mit dem Ausdruck seines Wunsches
die Fakultät für die heilige Liturgie möge ihren Dienst für die Kirche mit erneuerter Begeisterung fortsetzen und dabei in voller Treue gegenüber der reichen und wertvollen liturgischen Tradition und den vom 2. Vatikanischen Konzil gewünschten Reformen vorgehen, so wie es die lehramtlichen Richtlinien von Sacrosanctum Concilium und die Ausführungen des Lehramtes vorgeben."
Diese Auszüge lassen erkennen, daß der Papst hier seine Vorstellungen zur Hermeneutik der Kontinuität bezüglich der Liturgie weiter präzisiert hat. Wir werden die daran hoffentlich asnschließende Diskussion verfolgen und warten ungeduldig auf das Erscheinen des vollen Textes.
Santa Maria Maggiore, 5. 5. 2011
Levitenamt in Maria Maggiore
6. 5. 2011
Zum gestrigen Fest des hl. Pius V., auf den die Wiederherstellung des römischen Ritus nach den Unruhen der Reformationszeit zurückgeht, feierte Msgr. Guido Pozzo, Sekretär der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei, ein feierliches Levitenamt in der Borghese-Kapelle von St. Maria Maggiore. Der Name „Kapelle“ täuscht - es handelt sich um einen großzügigen und überaus prächtig geschmückten Anbau der Basilika, in der der hl. Papst Pius V. bestattet ist.
John Sonnen war dabei und zeigt noch mehr Bilder auf Orbis Catholicus Secundus.
Die Lehre zum Sakrament der Weihe – Theorie und Praxis nach Vatikan II
4. 5. 2011
Daß Papst Paul VI. mit seinem Motu Proprio „Ministeria quaedam“ die niederen Weihen „abgeschafft“ habe gilt als gesicherte Erkenntnis, - so gesichert, daß anscheinend kaum jemand sich die Mühe macht, in diesem Dokument nachzusehen, was darin wirklich gesagt ist.
Das Dokument, das man hier auf Latein und auf Kathpedia in einer ordentlichen Übersetzung nachlesen kann, beginnt mit einem sehr kurzgefassten historischen Abriss zur Entstehung der vielfältigen dienenden Ämter in Kirche und Lirturgie und kommt dann zu der Aussage:
Einige von diesen Aufgaben, die mit der liturgischen Handlung enger verbunden waren, wurden allmählich als Einrichtungen betrachtet, die dem Empfang der heiligen Weihen vorausgingen. So geschah es, dass in der Lateinischen Kirche Ostiariat, Lektorat, Exorzistat und Akolythat im Hinblick auf Subdiakonat, Diakonat und Presbyterat, die man als höhere Weihen bezeichnete, niedere Weihen genannt wurden und, wenn auch nicht überall, gewöhnlich jenen vorbehalten blieben, die durch sie zum Priestertum aufstiegen.
Das zeigt zwar ein etwas eingeschränktes Verständnis von Wert und Rolle dieser „niederen Weihen“, falsch ist es sicher nicht.
Unter Berufung auf vielerlei Bitten aus der Weltkirche und den Auftrag des Konzils, die Liturgie so zu ordnen dass bei den liturgischen Feiern jeder, sei er Liturge oder Gläubiger, in der Ausübung seiner Aufgabe nur das und all das tun soll, was ihm aus der Natur der Sache und gemäß den liturgischen Regeln zukommt sieht das Motu Proprio nun „Handlungsbedarf“. Dabei geht es, auch wenn das nicht so klar ausgesagt wird, offensichtlich um zwei Ziele:
- Die in der Tat nicht sehr glückliche Entwicklung, daß die Rollen von Diakon und Subdiakon in der Regel von geweihten Priestern übernommen werden, soll korrigiert und
- der sichtbare Anteil von Laien und Nicht-Priestern an der Feier der Liturgie soll vergrößert werden.
Daraus folgt als Entscheid:
Bei der Beibehaltung der besonderen Dienste und ihrer Anpassung an die heutigen Zeitbedürfnisse wird alles das bewahrt, was vor allem mit dem Dienst am Wort und am Altar in engerem Zusammenhang steht und in der Lateinischen Kirche als Lektorat, Akolythat und Subdiakonat bezeichnet wird. Es ist angebracht, dass diese Dienste in der Weise erhalten bleiben und angepasst werden, dass es von nun an nur noch einen zweifachen Dienst gibt: den des Lektors und den des Akolythen, die auch die Aufgaben des Subdiakons mit einschließen sollen.
Daran ist zunächst zweierlei bemerkenswert: Es ist ausdrücklich von einer Beibehaltung der besonderen Dienste die Rede, die an die „heutigen Zeitbedürfnisse angepasst“ werden sollen. Und in der denkbar schwächsten Sprache, in die der kirchlichen Rechtssprache eine Vorgabe zu machen pflegt, wird angeregt, das auf zwei Ämter zu beschränken. Daß es sich dabei keinesfalls um eine bindend vorgeschriebene „Abschaffung“ der anderen Ämter handelt, wird im folgenden Absatz klar ausgesprochen:
Es steht nichts im Wege, dass die Bischofskonferenzen außer den in der Lateinischen Kirche allen gemeinsamen Diensten noch andere vom Apostolischen Stuhl erbitten, deren Einführung sie in ihrem Land aus besonderen Gründen für notwendig oder sehr nützlich erachten. Dazu gehören zum Beispiel die Dienste des Ostiariers, des Exorzisten und des Katecheten sowie andere Dienste, die denen übertragen werden sollen, die sich karitativen Aufgaben widmen, wo ein solcher Dienst nicht den Diakonen anvertraut ist.
Diakon und Lektor – das ist sozusagen die Mindestausstattung an Diensten, die für die ganze lateinische Kirche vorgesehen ist. Wenn regional andere Bedürfnisse oder Traditionen bestehen, können diese die Einführung weiterer Dienstämter begründen.
Allerdings folgt dem eine bemerkenswerte Einschränkung:
Es entspricht aber den gegebenen Verhältnissen und der heutigen Mentalität, dass die genannten Dienste nicht mehr als niedere Weihen bezeichnet werden und deren Übertragung nicht "Weihe", sondern "Einsetzung" genannt wird;
Hier wird also nicht mehr sakramententheologisch zwischen Sakrament und Sakramentalie differenziert, auch der mystagogische Charakter der vielstufigen Initiation zum Priesteramt wird nicht gesehen – es bleibt bei plattem Opportunismus gegenüber der „heutigen Mentalität“, was immer sich im konkreten Zusammenhang dahinter verbergen möge. Zur Sache selbst sagt der Abschnitt nichts – er trifft zunächst nur eine Sprachregelung.
Dieser Verzicht hat schwerwiegende Folgen, die sich am deutlichsten in Absatz 4 des eigentlichen Verordnungsteils von „Ministeria quaedam“ zeigen:
IV. Die Dienste, die - angepasst an die heutigen Zeitbedürfnisse - in der ganzen Lateinischen Kirche beizubehalten sind, sind zwei, nämlich der des Lektors und der des Akolythen. Die Aufgaben, die bisher dem Subdiakon übertragen worden waren, werden nunmehr dem Lektor und dem Akolythen zugewiesen; aus diesem Grunde gibt es in der Lateinischen Kirche die höhere Weihe des Subdiakonats künftig nicht mehr. Dem steht jedoch nicht entgegen, dass entsprechend dem Urteil einer Bischofskonferenz der Akolyth an manchen Orten auch Subdiakon genannt werden kann.
Mit einem Federstrich wird hier eine vielhundertjährige theologische Entwicklung, die dazu geführt hat, die Stufe des Subdiakonats als höhere Weihestufe mit sakramentalem Charakter zu betrachten, abgetan – in „Anpassung an die heutigen Zeitbedürfnisse“. Zum Charakter der „niederen Weihen“ wird freilich wieder nichts gesagt – sie bleiben im Niemandsland zwischen Beibehaltung und Zeitbedürfnissen.
Ob ein Papst dazu bevollmächtigt ist, auf diese Weise mit dem sakramentalken Erbe der Kirche umzugehen, wird nicht nur vom damaligen Kardinal Ratzinger bezweifelt:
Tatsächlich hat aber das I. Vaticanum den Papst keineswegs als absoluten Monarchen definiert, sondern ganz im Gegenteil als Garanten des Gehorsams gegenüber dem ergangenen Wort: Seine Vollmacht ist an die Überlieferung des Glaubens gebunden – das gilt gerade auch im Bereich der Liturgie. Sie wird nicht von Behörden „gemacht“ (Geist der Liturgie, 143)
Der freischwebende Machergeist kommt denn auch in der Erlaubnis, Akolythen weiterhin als Subdiakone zu bezeichnen, aufs schönste zum Ausdruck. Die Weihe wird abgeschafft, das Amt und die Sache nicht oder wenigstens nicht so ganz, und die Bezeichnung darf sogar bleiben, wenn jemand das unbedingt haben will – so ist das wirklich „den heutigen Zeitbedürfnissen“ aufs schönste angepasst.
Da wundert man sich nur, warum von der „Einsetzung“ der Akolythen und Lektoren so wenig Gebrauch gemacht wird. Sie findet von wenigen Ausnahmen abgesehen nur abseits der Öffentlichkeit im Zuge der Priesterausbildung statt und verlängert somit gerade das „klerikale Laufbahnsyndrom“, das durch die Neuregelung überwunden werden sollte.
Der Grund dafür, daß man nach Ministeria quaedam „eingesetzte“ Akolythen und Lektoren praktisch kaum antrifft, liegt in Paragraph 7 des Motu Proprio:
VII. Die Einsetzung zu Lektoren und Akolythen bleibt, gemäß der altehrwürdigen Tradition der Kirche, den Männern vorbehalten.
Mit diesem ärgerlichen kleinen Paragraphen blieb das Motu Proprio weit hinter den Forderungen derer zurück, die sich für die „Abschaffung“ der niederen Weihen stark gemacht hatten, und so beschlossen sie, die „Akolythen“, die es doch nach dem MP auf jeden Fall in der ganzen Lateinischen Kirche geben sollte, zugunsten von Mesdienerinnen unter den Tisch fallen zu lassen und statt der offiziell vom Bischof „eingesetzten“ Lektoren ebenso offiziell, aber ohne Rechtsgrundlage und vom gleichen Bischof „beauftragte“ Lektoren zu erfinden, unter denen selbstverständlich Frauen, der Geschlechtergerechtigkeit zuliebe, bald die dominierende Rolle spielen sollten.
Und damit ganz klar wird, worum es geht, werden inzwischen in einzelnen Gemeinden für die Beauftragung von Lektor(inn)en sogenannte „Aussendungsfeiern“ veranstaltet, deren Ritus sich engstmöglich an den der Diakonats- und Priesterweihe anlehnt.
Das Fazit: Von der vom Papst angeordneten Beibehaltung von mindestens zwei der aus der Tradition begründeten Dienstämter ist in der kirchlichen Realität praktisch nichts zu bemerken, statt dessen wurde ein noch mehr der heutigen Mentalität entsprechender Ersatz geschaffen, der direkt gegen Paragraph VII des Motu Proprio verstößt. Der einzige Satz, der halbwegs befolgt wird, scheint der zu sein, nachdem es die Subdiakonatsweihe „in der lateinischen Kirche künftig nicht gibt“. Amputation eines Sakraments ohne theologische Begründung? Untersagung der Spendung einer Sakramentalie aus Liebedienerei vor dem Zeitgeist? Oder schlichtweg Überschreitung der Vollmacht des päpstlichen Amtes?
Hier die vorausgehenden Beiträge zum Thema:
- Die Lehre zum Sakrament der Weihe III – von Trient zu Vatikan II
- Die Lehre des Konzils von Trient zur Priesterweihe - II
- Die Lehre des Konzils von Trient zur Priesterweihe - I
Für die technischen Unzulänglichkeiten beim Upload dieses Textes bitten wir um Entschuldigung. Hoffentlich ist jetzt alles überall sichtbar.
Bischof William MorrisFoto: Bruce Long
Australischer Bischof des Amtes enthoben
2. 5. 2011
Wie der bis Ende April amtierende Bischof Morris des australischen Toowoomba am Wochenende mitteilen ließ, hat ihn Papst Benedikt seines Amtes als Diözesanbischof enthoben. Vorausgegangen war eine 5-jährige Visitation der Diözese, die mit der Aufforderung des Vatikans an den Bischof endete, seinerseits seinen Rücktritt einzureichen.Bischof Morris, der in seinem 68. Lebensjahr steht, war seit 18. Jahren Bischof von Toowoomba.
Die Visitation hatte zahlreiche schwerwiegende liturgische Missbräuche durch Aufnahme heidnischer und säkularer Riten und substantielle Abweichungen des Bischofs, aber auch der von ihm beauftragten Ortsgeistlichen und Hochschullehrer, von der Lehre der Kirche zu Tage gefördert. Er hatte sich bereits vor Jahren unter anderem für die Ordination von Frauen ausgesprochen und ähnlich wie jetzt der St. Galler Bischof Büchel seine Erwartung ausgedrückt, die Kirche werde ihre Haltung in dieser Frage ändern müssen: "Ich werde das zu meinen Lebzeiten kaum noch erleben, aber bestimmt die nächste Generation". Nachdem er der Aufforderung, seinen Rücktritt einzureichen, nicht entsprochen hatte, hat der Vatikan nun selbst entsprechende Maßnahmen eingeleitet.
Die Entlassung Bischof Morris' ist nur das bislang letzte und spektkulärste Glied in einer ganzen Kette von Amtsenthebungen von Bischöfen durch Papst Benedikt, die normalerweise in der Form von „freiwillig“ angebotenen Rücktritten erfolgten. Während die meisten dieser Personalentscheidungen auf Grund sittlicher Verfehlungen oder wirtschaftlicher Unregelmäßigkeiten oder auch Unfähigkeit erfolgten, ist der Fall Morris der erste, bei dem offener Dissens in Sachen der Lehre zu diesem schwerwiegenden Schritt geführt hat. Die progressistische Umgebung des Bischofs hat denn auch bereits zu Protestkundgebungen aufgerufen, wie sich seine Amtsbrüder, mit denen er ein gutes Verhältnis gehabt haben soll, verhalten werden, bleibt abzuwarten.
Für weitere Darstellungen zum Fall aus der Sicht seiner Gesinnungsfreunde verweisen wir auf die Regionalzeitung "Couriermail" in Brisbane und den stets zuverlässig dissidentischen National Catholic Reporter in den USA. Hier gibt es den bemerkenswert unpräzisen und von Demokratie-Illusionen durchtränkten Abschiedsbrief des Bischofs an seine Diözesanen.
„Breite Stola“ (TNLM)
Welche Bücher für den
„Usus Antiquior?“
30. 4. 2011
Unsere lapidare Mitteilung, in Blackfen sei dieses Jahr das Amt zum Palmsonntag „nach den Büchern der unreformierten Liturgie von vor 1955 “ gefeiert worden, hat Rückfragen ausgelöst. Eine endgültige Antwort darauf, welcher Ritus in Blackfen verwandt wurde, können wir noch nicht geben. Wir haben eine Internet-Mitteilung, es seien der alte Ritus gewesen, und wir haben die Photos, auf denen die „breite Stola“ zu sehen und die vorne aufgefaltete Casel zu ahnen ist. Die Änderungen im Formular des Palmsonntags betreffen unseres Wissens nur die (radikal gekürzte) Palmweihe und die anschließende Prozession. Welche Form für diese Teile der Liturgie in Blackfen verwandt wurde, wissen wir nicht.
Was wir dagegen wissen, ist, daß die beiden gezeigten Formen der traditionellen Gewänder von Annibale (die Assoziationen dieses Namens machen überdeutlich: Gott hat Sinn für Humor) Bugnini unter Papst Johannes XXIII. bereits 1960 im neuen Codex Rubricarum „abgeschafft“ worden sind. Sie gehören insofern also nicht mehr zum Bestand des Ritus „nach den Büchern von 1962“ - ebensowenig übrigens die heute selbst in einigen Gemeinden mit Novus-Ordo-Liturgie noch übliche Sitte, nach der Palmprozession dreimal mit dem Vortragekreuz an die geschlossene Kirchentür zu schlagen. Andererseits bedeutet ihre Verwendung noch nicht zwangsläufig eine Rückkehr „vor 1955“.
Zur Problematik der Liturgie des Palmsonntags und ihrer diversen Reformen verweisen wir zunächst auf die Ausführungen von László Dobszay, die wir hier vor zwei Jahren ausführlich wiedergegeben haben. Zusammengefasst: Die Form dieser Liturgie war schon vor den 50er Jahren in bedauerlichem Zustand, die „Reformen“ Bugninis haben diesen Zustand weiter verschlimmert, zumal in den Jahren von 1955 bis 1970 geradezu im Wochenrhythmmus oft tiefgreifende Änderungen erfolgten, was dazu führte, daß bereits 1962 in der Praxis fast niemand mehr wußte, was nun „offiziell“ war und was als „veraltet“ oder angeblich „vorauseilender Gehorsam “ zu verstehen war.
Das ändert allerdings nichts daran, daß wir heute ziemlich genau wissen, wie die Rechtslage für 1962 aussieht, und daß die Verteidiger der übelieferten Liturgie gut beraten sind, sich auf die Bücher dieses Bezugsjahres zu stützen: dafür haben sie mit Summorum Pontificum eine unbezweifelbare Rechtsgrundlage. Sie bestimmt, was heute als „usus antiquor“ Liturgie der Kirche ist.
Andererseits heißt das aber nicht, dieses wohl aus juristischer Notwendigkeit, aber doch auch willkürlich ausgewählte Stichjahr für inhaltlich besonders relevant zu halten. Eine irgendwann einmal fällige Neudefinition des überlieferten Ritus wird in vielem vor die 1955 einsetzende Abbruchtätigkeit zurückgreifen müssen – andererseits wird sie sich auch der einen oder anderen seitdem gewonnenen Erkenntnis nicht verschließen können. Darüber sollen sich zu gegebener Zeit Kommissionen verständigen, die anders als das unglückselige „Consilium“ einen Begriff von der organischen Entwicklung der Liturgie haben – und davon, daß selbst der Papst nicht Herr, sondern Diener der Liturgie ist.
Karwoche und Ostern im alten Ritus
27. 4. 2011
In aller Welt haben in der vergangenen Woche zahlreiche Feiern nach den liturgischen Büchern des überlieferten Ritus der römischen Kirche stattgefunden. Wir geben eine subjektive und notwendigerweise sehr unvollständige Auswahl. Am 30. April ergänzt um ein Bild aus Hongkong.
Noch vor die derzeit im alten Ritus gebräuchlichen Bücher von 1962 zurück griff der Pfarrer von Blackfen bei London, his Hermeneuticalness Tim Finegan, am Palmsonntag, der nach den Büchern der unreformierten Liturgie von vor 1955 gefeiert wurde.
Bilder aus Blackfen präsentiert Mac McLernon auf Flickr, alles Wissenswerte zu den älteren Gewandformen findet man auf TNLM.
Das volle Programm von Karwoche und Ostern, selbstverständlich exakt nach den Büchern von 1962, wurde in der römischen Kirche Santissima Trinità dei Pellegrini, der von der Petrusbruderschaft betreuten Pfarreikirche für den alten Ritus, gefeiert. Aus dem reichhaltigen Angebot von Bildern auf der Website der Pfarrei haben wir ein Bild von den Tenebrae ausgewählt:
Soviel aus Rom.
Das australische Melbourne hatte in diesem Jahr die seltene Gelegenheit, sämtliche Gottesdienste der Karwoche und zu Ostern als Pontifkalzelebrationen zu erleben. Der emeritierte Bischof von Christchurch, Basil Meeking, war der Einladung der Newman-Community von Melbourne gefolgt, die Liturgien in Melbourne zu zelebrieren. Eine umfangreiche Bildersammlung - wir haben daraus ein Bild vom Karfreitag entnommen - bringt die Website der Gemeinschaft.
Bild oben: Melbourne
In der Hongkonger Kirche Maria Hilfe der Christenheit, aus der wir bereits mehrfach Bilder von Zelebrationen des Hongkonger Kardinals Kun in der überlieferten Liturgie zeigen konnten, fand am Ostersonntag dieses Jahres ein levitiertes Hochamt statt.
Weitere Bilder aus Hongkong auf TNLM.
Ein ganz besonderfes Osterereignis ist in diesem Jahr von den Philippinen zu melden. Dort feierte Bischof Antonio Tobias von Novaliches als amtierender Ortsbischof das Hochamt zum Ostermontag in seiner Bischofskirche in der feierlichen Form der überlieferten Liturgíe. Kompetente Assistenz leisteten die auch auf den Philippinen stark vertretenen Franziskaner der Immakulata:
Oben: Bischof Tobias in Novaliches
In der Berliner Kirche St. Afra, die zum dem alten Ritus verpflichteten Institut St. Philipp-Neri gehört, wurde selbstverständlich die gesamte Liturgie des Triduums in der überlieferten Form gefeiert, und zwar an allen Tagen mit dem vollen gregorianischen Proprium, an Karfreitag und Ostersonntag noch ergänzt durch Werke der traditionellen Polyphonie. Piscator-TV hat auf Youtube einen Film von der Karfreitagsliturgie eingestellt, auf dem die Improperien des Tomás Luis de Victoria aus St. Afra zu hören sind. Sehens- und hörenswert.
Oben: Filmausschnitt von der Karfreitagsliturgie in St. Afra.
Als letztes Bild unseres globalen Kurzüberblicks noch einmal ein Bild vom Palmsonntag, und zwar aus der Mission des Institutes Christus König und Hoher Priester in Libreville, der Hauptstadt Gabuns: Rom in Afrika.
Mehr davon auf der Website des Instituts. Mit Bildern von den anderen Tagen der Kar- und Osterwoche dürfte in Kürze zu rechnen sein.
Markus Büchel Bild: Kathpedia
Bischof Büchel (St. Gallen) sagt sich von Rom los
26. 4. 2011
Christus ist auferstanden - aber das Leid der Kreuzigung dauert an.
Während in Nordamerika Priester wie Ed Cachia oder Roy Bourgeois wegen aktiver Befürwortung der Frauenordination exkommuniziert werden, nutzt der St. Galler Bischof Markus Büchel die Ostertage, um sich per Interview den Apostaten anzuschließen.
Da hilft nun kein Herausreden mehr, das ist eindeutig:
Es ist einfacher über eine allfällige Heirat eines Priesters zu diskutieren als über eine Tradition, die es in der römisch-katholischen Kirche noch nie gab. Aber wir müssten Schritte suchen, die dahin führen. Ich könnte mir vorstellen, dass der Diakonat der Frau ein solcher Schritt sein könnte. Wir müssen Verständnis haben, wenn diese Frage nicht gleich morgen gelöst ist. Vielleicht braucht es eine gewisse Beharrlichkeit, wie sie Wiborada hatte, auch in Fragen, die nicht von einem Tag auf den anderen gelöst werden können. Aber wir können dem auch nicht ausweichen. Eine Weile hat man ja gesagt, darüber dürfe man nicht diskutieren. Und das ist etwas vom Schwierigsten in der heutigen Gesellschaft. Das können wir uns nicht mehr leisten."
Ebenso eindeutig ist die Aussage Papst Johannes Pauls II. in Ordinatio Sacerdotalis vom 22. 5. 1994:
4. Obwohl die Lehre über die nur Männern vorbehaltene Priesterweihe sowohl von der beständigen und umfassenden Überlieferung der Kirche bewahrt als auch vom Lehramt in den Dokumenten der jüngeren Vergangenheit mit Beständigkeit gelehrt worden ist, hält man sie in unserer Zeit dennoch verschiedenenorts für diskutierbar, oder man schreibt der Entscheidung der Kirche, Frauen nicht zu dieser Weihe zuzulassen, lediglich eine disziplinäre Bedeutung zu.
Damit also jeder Zweifel bezüglich der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken (vgl. Lk 22,32), daß die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und daß sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben."
Das geht nicht zusammen. Es kann nur eine Frage der Zeit sein, bis der Papst – selbst ein so sehrt auf die Einheit der Kirche bedachter wie Benedikt XVI. – diese Aufkündigung der Gemeinschaft in angemessener Form zur Kenntnis nimmt. Und komme nun keiner auf die Idee, den Bischof wegen seines „Mutes“ zu loben: Er sagt, was die Welt hören will, und er lehrt nicht, was die Kirche lehrt. Etwas anderes wäre ihm zu schwierig „in der heutigen Gesellschaft“. Die Gläubigen, die doch aufgefordert sind, ihre Bischöfe in Treue zu lieben und zu hören, stürzt er aus Feigheit und Opportunismus in Gewissensqualen. (Begrenzt) mutig wäre, wenn er sagte: Ich kann nicht mehr katholisch sein, ich lege mein Amt nieder. Der Lohn eines renommierten Lehrstuhles und der Segen Hans Küngs wären ihm sicher.
Nach der Blamage um den (in sich gut gelungenen) Jugendkatechismus, dessen Übersetzungen ins Italienische und andere Sprachen übelste populäre Irrtümer enthalten, wirft der Vorgang um den 2006 ernannten Bischof ein weiteres Licht auf die haarsträubenden Zustände in der Kirchenverwaltung im 5. Jahrzehnt des „neuen Frühlings“. Die Bischofskongregation weiß nicht, was sie tut, oder sie will nicht, was sie soll. Die purpurgewandeten Sachwalter und mausgrauen Sachbearbeiter der Kurie sind entweder unfähig, ihren Job zu machen - oder sie betreiben bewußt Obstruktion. Aber das wissen wir ja schon seit längerem, wir müssen es nicht allmonatlich neu bestätigt bekommen.
Das einzig gute an der Sache ist, daß den anderen Los-von-Rom-Bischöfen, die uns wie gerade erst Bischof Bode mit treuherzigem Augenaufschlag versichern, man könne über den Diakonat der Frau nachdenken,„ohne dass wir immer gleich die Frage nach der Priesterweihe für Frauen erörtern müssen“ die Glaubwürdigkeit endgültig entzogen ist: Dieses Geschwätz markiert nichts anderes als einen Zwischenschritt zur endgültigen Abkehr von der römischen Kirche, die Christus auf den Felsen Petri gegründet hat. Und wir müssen lernen, in der Kirche mit Bischöfen zu leben, die uns über die Lehre der Kirche belügen und über ihre wahren Absichten betrügen.
Was genau genommen seit des Apostels Judas Zeiten nichts wirklich neues ist.
„Auferstanden bin ich
und bin nun immerdar bei dir, alleluja“
24. 4. 2011
Anfang des Propriums zum Hochamt am Ostersonntag in einem Missale aus Würzburg. Bild: British Library
Am Ostersonntag beschließen wir unsere Folge von illustrierten Hymnen auf Hymnarium.de mit dem „Autora lucis rutilat“ eines unbekannten Autors, dem wir dier oben im Ausschnitt zitierte illuminierte Seite aus einem Würzburger Missale zur Seite stellen. Thema ihres Illustrationsprogramms sind die Anfangsworte des Introitus „Ressurexi, et adhuc tecum sum, alleluia“, die Papst Benedikt zum Thema seiner diesjährigen Osterbotschaft gemacht hat - mit der Bemerkung „Diese Worte, die einer alten Version des Psalms 139 [138] (Vers 18b) entnommen sind, erklingen am Beginn der heutigen heiligen Messe.“ Der Hochmut von Philologenseelen hat sie in der heute gebräuchlichen Version des Psalms unkenntlich gemacht - aber der Papst ist offensichtlich nicht bereit, sich ihrer Zensur zu unterwerfen.
Wir wünschen allen Besuchern von Summorum Pontificum frohe Ostertage. In der kommenden Woche melden wir uns mit unseren regulären Themen zurück.
Lebendige Tradition:
Zum Karfreitag: Die Improperien
22. 4. 2011
Kreuzigungsdarstellung aus einem französischen Stundenbuch des 15. Jh.
Die Klagen des Heilands: „ Mein Volk, was hab ich dir getan?“ gehören zu den ergreifendsten Texten der Liturgie:
Mein Volk, was habe ich dir getan?
Womit nur habe ich dich betrübt?
Antworte Mir!Ich habe dich herausgeführt aus dem Lande Ägypten:
dafür bereitest du deinem Heilande das Kreuz.Vierzig Jahre lang habe Ich dich durch die Wüste geführt;
Ich habe dich mit Manna gespeist, dich geleitet in ein reichgesegnetes Land:
dafür bereites du deinem Heiland das Kreuz.“
Hier der vollständige Text auf Hymnarium.de. Piscator TV hat einen Film mit Bildern vom Karfreitagsgottesdienst und dem Gesang der Improperien des Tomás Luis de Victoria beim Institut St. Philipp-Neri in Berlin aufgenommen und auf Youtube eingestellt. Es singt das an St. Afra beheimatete Palestrina-Ensemble Berlin.
Das „Letzte Abendmahl“ aus dem Graduale von Katharinental.© Schweizerisches Nationalmuseum
Lebendige Tradition:
Zum Gründonnerstag „Pange lingua gloriosi corporis mysterium“
21. 4. 2011
Kein anderer Gesang und auch kein Lehrtext bringt das Geheimnis der Eucharistie besser zum Ausdruck als das Pange Lingua des hl. Thomas von Aquin.
Als Illustration aus dem Graduale von Katharinental kam heute nur die Miniatur mit der Darstellung des letzten Abendmahles in Frage. Auch dieses Meisterwerk war vor etwa 200 Jahren aus dem Codex herausgeschnitten und separat verkauft worden, so daß wir es heute nicht mehr in seinem ursprünglichen Kontext sehen.
„Kreuztragung“aus dem Graduale von Katharinental.© Schweizerisches Nationalmuseum
Lebendige Tradition:
Zum Mittwoch der Karwoche „Recordare sanctæ crucis“
20. 4. 2011
Das Recordare sanctæ crucis des hl. Bonaventura kann als typisches Zeugnis der franziskanischen Frömmigkeit gelten. Die in ihrer vollen Form 39 Strophen umfassende Dichtung wurde meistens in einer 8-strophigen Form gesungen und überliefert - dem schließen wir uns an.
Als Illustration haben wir heute die Miniatur der Kreuztragung Miniatur „Jesus vor Pilatus“ ausgewählt, die als eine der künstlerisch großartigsten des Graduales von Katharinental gilt.
„Jesus vor Pilatus“aus dem Graduale von Katharinental.© Schweizerisches Nationalmuseum
Lebendige Tradition:
Zum Dienstag der Karwoche „Crux ave benedicta“
19. 4. 2011
Der Hymnus Crux ave benedicta eines unbekannten Dichters gehört zu den zahllosen lateinischen Dichtungen, die zwar weder im Brevier noch an anderen Stellen der Liturgie offizielle Anerkennung fanden, sich aber beim Volk großer Beliebtheit erfreuten. Eine deutsche Nachdichtung, Verfasser und Entstehungszeit ebenfalls unbekannt, ist als „Coesfelder Kreuzlied“ bekannt geworden.
Zur Illustration haben wir dem Hymnus die von barbarischer Hand aus dem Katharinentaler ausgeschnittene Miniatur Miniatur „Jesus vor Pilatus“ zur Seite gestellt.
Miniatur zur Dornenkrönung aus dem Graduale von Katharinental.© Schweizerisches Nationalmuseum
Lebendige Tradition:
Zum Montag der Karwoche „Salve Iesu Reverende“
18. 4. 2011
Der Hymnus Salve Iesu Reverende des Arnulph von Löwen († 1150) gehört zu einer Reihe von sieben Liedern, die die Füße, Knie, Hände, die Seite, die Brust, das Herz und das Antlitz des leidenden Christus besingen. Salve Jesu Reverende bezieht sich in der Urfassung auf das Antlitz, wurde jedoch vielfach umgedichtet, darunter auch in einer Version "Salve caput cruentatum", die Paul Gerhardt als Vorlage für sein Passionslied Oh Haupt voll Blut und Wunden verwandte.
Als Illustration haben wir dem Hymnus die Miniatur zur Dornenkrönung Christi aus dem Katharinentaler Graduale zur Seite gestellt.
Miniatur zum Jüngsten Gericht aus dem Graduale von Katharinental.© Schweizerisches Nationalmuseum
Lebendige Tradition:
Zum Palmsonntag das „Dies Irae“
17. 4. 2011
Die Rückgewinnung der katholischen Tradition und Identität erfordert Anstrengungen auf vielen Gebieten. Eines davon ist die Erneuerung des Wissens um die Schätze der Dichtung und der bildenden Kunst, die von den modernistischen Bilderstürmern aus der Liturgie und den Kirchenräumen, oft genug sogar aus den Bibliotheken verbannt wurden. Unser benachbartes Projekt Hymnarium sieht sich als Teil dieser Bemühungen.
In diesem Jahr präsentieren wir dort an jedem Tag der Karwoche einen passenden Hymnus und eine Buchmalerei – letztere nach Möglichkeit aus dem Graduale von Katharinental, einer der prächtigsten illuminierten Handschriften der Gotik. Summorum Pontificum wird täglich auf diesen Eintrag des Hymnariums verweisen. Wir beginnen am Palmsonntag mit dem Dies Iræ des Thomas von Celano – jener tief erschütternden Sequenz aus der Liturgie des Requiems, die in den Reformen der so überaus empfindsamen 60er Jahre aus dem Missale getilgt wurde.
Das 2. Vatikanum - die Vollversammlung der Bischöfe
Die Lehre zum Sakrament der Weihe –
von Trient zu Vatikan II
16. 4. 2011
Die Regelung der Weihestufen durch das Konzil von Trient wies zweifellos mehrere Schwachpunkte auf. Sie hatte das Verhältnis zwischen niederen und höheren Weihen sowie deren sakramentalen Status teilweise ungeklärt gelassen und sah für das Bischofsamt keine eigene Weihestufe vor, sondern begründete es in der Nachfolge der Apostel und somit aus der hierarchischen Ordnung der Kirche. Der Status der Kleriker war insofern unpräzise gefasst, als man ihn einerseits bereits mit der Tonsur begonnen ließ, die bereits in sehr jugendlichem Alter empfangen werden konnte. Andererseits konnten jedoch - zumindest in der Theorie - auch Verheiratete Klerikerstatus erlangen und Funktionen der niederen Weihestufen übernehmen. Die Unvereinbarkeit von Ehe und Weihe begann mit dem Subdiakonat – auch das ein Hinweis darauf, daß nach der Ordnung von Trient die niederen Weihen eher als Sakramentalien und nicht als Bestandteil des Weihesakraments anzusehen waren.
Diese Unklarheiten wurden unserer Kenntnis nach auf dem vorzeitig abgebrochenen 1. Vatikanischen Konzil nicht behandelt. Auf dem 2. Vatikanischen Konzil und in dessen Anschluß erfolgte eine tiefgreifende Neuintepretation des Sakraments der Weihe, die allerdings die Unklarheiten und Ungereimtheiten eher verstärkte.
Zunächst „lehrt die Heilige Synode“, in Lumen Gentium 21, daß die „Fülle des Weihesakramentes“ alleine den Bischöfen zukomme; das Dekret über die Hirtenaufgabe der Bischöfe (Christus Dominus) führt dazu aus, daß die Priester und Diakone zwar ebenfalls „Anteil“ am Weihesakrament haben, jedoch lediglich zu deren Helfern geweiht sind und nur in deren Namen und Auftrag handeln können.
Wenn das 1. Vatikanum das Konzil der (deklarierten) Suprematie des Papstes war, so ist das 2. Vatikanum das Konzil einer weitgehenden Selbstermächtigung und Unabhängigkeitserklärung der Bischöfe auf Kosten der begrifflichen Fassung und Wertung des Priestertums. Während die Bischöfe als Konzilsväter in starken Worten betonen, keinesfalls „Untergebene“ des Papstes zu sein, haben sie nicht die geringsten Hemmungen, in ebenso starken Worten die Priester nicht nur als ihre Untergebenen, sondern als in allem abhängige und unselbständige Beauftragte darzustellen. Etwa in Christus Dominus 15, wo es heißt:
Die Bischöfe erfreuen sich der Fülle des Weihesakramentes. Von ihnen hängen bei der Ausübung ihrer Gewalt sowohl die Priester ab, die ja, um sorgsame Mitarbeiter des Bischofsstandes zu sein, selbst zu wahren Priestern des neuen Bundes geweiht sind, als auch die Diakone, die, zum Dienst geweiht, dem Gottesvolk in der Gemeinschaft mit dem Bischof und seinem Presbyterium dienen“
Oder in LG 26, wo ausgeführt wird:
Jede rechtmäßige Eucharistiefeier steht unter der Leitung des Bischofs, dem die Pflicht übertragen ist, den christlichen Gottesdienst der Majestät Gottes darzubringen und zu betreuen. (...)Der Bischof ist, mit der Fülle des Weihesakramentes ausgezeichnet, „Verwalter der Gnade des höchsten Priestertums“ vorzüglich der Eucharistie, die er selbst darbringt oder darbringen läßt...“
Die Verwendung des neugeprägten Begriffers „Bischofsstand“, wo man früher allgemein von „Priesterstand “ sprach, ist verräterisch. Stellenweise wird die Position der Bischöfe so stark betont und die der Priester und Diakone als ihrer „abhängigen Helfer“ (LG 28) so stark relativiert und in das insbesondere ion LG 10 geradezu lyrisch gefeierte „allgemeine Priestertum“ aller Gläubigen eingeschmolzen, daß die Bischöfe als alleinige Inhaber der einzig übriggebliebenen höheren Weihe erscheinen und Priester und Diakone eher wie Nachfolger der früheren niederen Weihegrade.
Von den niederen Weihen selbst – einschließlich des Subdiakonats – die offenbar keinen Anteil am Weihesakrament haben, ist in den Dokumenten des 2. Vatikanums so gut wie nirgends die Rede. Sie werden zwar nicht ausdrücklich und generell „abgeschafft“, aber nur noch im Dekret über die Ostkirchen erwähnt, wo es heißt, daß die „gesetzgebende Obrigkeit jeder Teilkirche“ dafür zuständig sei, Rechte und Pflichte der Subdiakone und Niederen Weihen zu regeln.
Hier treten also diverse Probleme und Unstimmigkeiten auf. Die Bestimmung, daß als Diakone auch verheiratete Männer (allerdings nur „reiferen Alters“, LG 29) geweiht werden können, bekräftigt die bereits von Trient ermöglichten Einrichtung verheirateter Kleriker – nur sind es diesmal Angehörige der früheren „Höheren Weihen“, die aus der zölibatären Lebensweise herausgenommen werden. Und während die nach Trient theoretisch möglichen verheirateten niederen Kleriker damals wohl praktisch keine Rolle spielten, wird das Institut der verheirateten Diakone seit den 70er Jahren auch praktisch und quantitativ immer stärker durchgesetzt. Zusammen mit Pfarrreferenten und -referentinnen erscheinen sie vielerorts als eigentliche Träger der Seelsorge, während die geweihten Prietser durch die Gemeindestrukturreform ebensooft als „reisende Messknechte“ erscheinen. Die „Altaristen“ vortridentinischer Zustände lassen grüßen.
Im Ergebnis verschwimmt die Wesensbestimmung des Priestertums in einer unklaren Zwischenstellung zwischen den mit allen Vollmachten ausgestatten Bischöfen als „Vollpriestern“ und den verheirateten ständigen Diakonen, die – trotz ihrer Weihe - in vielem mehr als die obersten Vertreter des allgemeinen Priestertums der Gläubigen in der Welt erscheinen denn als Angehörige eines besonderen Weihestandes.
Daß der kirchliche Zeitgeist nach dem Konzil für die „Niederen Weihen“ keinen Bedarf hatte, kann mit Blick auf die dort vorgeprägte Entwicklung der Ekklesiologie kaum überraschen. Von daher erscheint es nur logisch, daß Papst Paul VI. bereits wenige Jahre nach Abschluss des Konzils jenes Motu Proprio Ministeria quaedam erließ, durch das, wie es heißt, die niederen Weihen endgültig abgeschafft worden seien.
Was es damit auf sich hat, ist in der nächsten und letzten Fortsetzung zu untersuchen.
Erinnerung an Australien
Herzlichen Glückwunsch und Gottes Segen!
16. 4. 2011
Papst Benedikt XVI., geboren 1927 in Marktl, Bayern, und zum Priester geweiht am 29. Juni 1951, begeht heute seinen 84. Geburtstag.
Herr Jesus Christus,
gib Deinem Diener Benedikt Weisheit und Stärke,
Deine Kirche auf den rechten Weg zu führen –
und uns allen Demut und Gehorsam,
seiner Weisung zu folgenSchenke ihm Gesundheit und noch viele Jahre,
und gib ihm den Mut, nicht vor den Wölfen zu fliehen.“
P. Bernward Deneke
Drei Jahre Motu Proprio:
Bilanz einer Befreiung
14. 4. 2011
Seit einigen Tagen ist auf gloria.tv ein Vortrag von P. Bernward Deneke (FSSP) zu sehen und zu hören, den er unter dem oben als Überschrift verwandten Titel in Mainz gehalten hat. Eine beeindruckende und bedrückende Zusammenstellung der Entwicklungen, die das Leben der Kirche seit vier Jahrzehnten verfinstern – und eine vorsichtige Würdigung der kleinen Schritte, die seit „Summorum Pontificum“ wieder Anlass zu Hoffnung geben.
Für viele, so Deneke, rufen die Erträge der grossen Reform das Bild des 73. Psalms herauf - den man freilich nach dem Wüten der Alles-Besser-Wisser heute ebenfalls nicht mehr am alten Platz, sondern unter Nr. 74 abgedruckt findet:
Gott, warum hast Du verworfen für immer,
warum rauscht Dein Zorn gegen die Herde Deiner Weide,
gedenke Deiner Gemeinde, die Du erworben hast vor Alters,
erlöst zum Stamm Deines Eigentums,
gedenke des Bergs des Zion auf dem Du gewohnt hast.
Erhebe Deine Schritte zu den ewigen Trümmern,
Alles hat der Feind im Heiligtum verwüstet,
es brüllen Deine Widersacher inmitten Deiner Versammlungsstätte,
sie haben ihre Zeichen als Zeichen des Sieges gesetzt,
es sieht aus, wie wenn man Äxte emporhebt im Dickicht des Waldes,
und jetzt, Deine Schnitzereinen allesamt
mit Beilen und Brechstangen zerschlagen sind sie,
sie haben Dein Heiligtum in Brand gesteckt,
bis auf den Grund entweriht die Wohnung Deines Namens.
Sie sprachen in ihrem Herzen: Lass sie uns allesamt niederzwingen,
Sie haben alle Versammlungsstätten Gottes im Lande verbrannt."
Hierr der Vortrag in seiner ganzen Länge von 45 Minuten - und keine davon ist verloren.
Prior Albertin bei der hl. Messe in Pouso Alegre
Brasilianische Benediktiner auf dem Weg zur alten Liturgie
13. 4. 2011
Im Konvent der Benedikter von Pouso Alegre im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais wird auf Anregung des Priors künftig wenigstens einmal im Monat ein hl. Messe in der überlieferten Form der römischen Liturgie gefeiert. (Salvem a Liturgia über Rorate Caeli) Die erste Messe hat dort am Sonntag Lætare stattgefunden
Wie der Prior mitteilte, soll auch der Anteil des Lateinischen am Stundengebet künftig erhöht werden. Die Vesper wird bereits jetzt stets in lateinischer Sprache und nach dem alten Ritus des Ordens gesungen.
Predigt am Hochaltar über der Confessio
Zwischen Teatro di Marcello und Broadway
11. 4. 2011
Vorgestern zelebrierte Kardinal Burke in der römischen Kirche San Nicola in Carcere den Stationsgottesdienst zum Samstag in der vierten Fastenwoche als feierliches Pontifikalamt nach der überlieferten Liturgie. Nach dem Amt fand auf den Straßen um die auf den Überresten von drei römischen Tempel neben dem Marcellus-Theater errichtete Kirche eine traditionelle Fastenprozession statt, an der sich neben den Franziskanern der Immakulata auch zahlreiche andere Angehörige des römischen Welt- und Ordensklerus sowie Ordensschwestern beteiligten. Zahlreiche Bilder von Pontifikalamt und Prozession hat Orbis Catholicus Secundus.
Einzug der Tänzerinnen im Anaheim Congress-Center
Auf Youtube kann man inzwischen die Filme vom Schlußgottesdienst des Los Angeles Religious Education Congress bewundern, zu dem in diesem Jahr wieder mehr als 40 000 Teilnehmer angereist waren. Die Liturgie folgte auch 2011 wieder der dort traditionellen Mischung zwischen Gospel-Light und Broadway; das Programm des Kongresses, für das erstmals der neue Erzbischof Gómez verantwortlich zeichnete, war nach Ansicht von Teilnehmern jedoch weniger stark von modernistischen Verirrungen geprägt als unter Vorgänger Kardinal Mahoney
Hysterie in Schlagzeilen:
„Huonder in der gleichen Situation wie Ghadhafi“, „Kirchenkritiker Küng fordert Bischof Huonder zum Rücktritt auf“
Wird die Schweiz „umgepolt“?
9. 4. 2011
Die Churer Staatskirchenmafia, die seinerzeit bereits Bischof Haas aus dem Lande getrieben hatte, wollte sich nun auch des romtreuen und prinzipienfesten Bischofs Vitus Huonder entledigen. Höhepunkt war eine überaus giftige Pressekampagne in diesem Frühjahr, in deren Verlauf Hans Küng den Bischof mit dem von seinem Volk verlassenen Lybier Ghadhafi verglich. Sichtlich angeschlagen reiste Bischof Huonder Anfang April nach Rom, um dort über die Situation zu beraten. Dort trat ein, was die Gegner nicht erwartet hatten: Statt den Bischof „um des lieben Friedens“ mit den Wölfen willen aus der Schusslinie zu nehmen, stärkte die Bischofskongregation Msgr. Huonder den Rücken.
Mit einer Beruhigung der Lage oder gar einem Stop des Marsches der Kantonalkirchen "Los von Rom" ist dennoch nicht zu rechnen. Der Wille zur Trennung von Lehre und Disziplin der Kirche ist tief verwurzelt. René Strasser als Schweizer kennt die Verhältnisse aus der Innensicht und hat - nicht zuletzt wegen des hartnäckigen Widerstandes gegen alle Versuche zur Überwindung liturgischer Mißstände - wenig Hoffnung auf Besserung:
Mit der Tridentinischen Messe (usus antiquior) ist es südlich des Rheins und des Bodensees ziemlich dasselbe wie nördlich davon. Die Liebhaber der Alten Messe finden kaum einen Ort, wo sie die Messe feiern können und dürfen nicht öffentlich bekannt machen, wo dies allenfalls geschieht. In den offiziellen Bistumszeitungen und Diözesanblättern, die, wohlgemerkt, von Kirchensteuergeldern aller Katholiken finanziert werden, fehlt im redaktionellen Teil in der Regel jeder Hinweis darauf: Die als Traditionalisten Verschrieenen haben kein Anrecht auf Information. Im Gegenteil, sie werden von diesen Organen verunglimpft und müssen dafür bezahlen.
So wird Vitus Huonder, der Bischof von Chur, im „forum. Pfarrblatt der Katholischen Kirche im Kanton Zürich“ (26/2010, 9. Dezember) attackiert, weil der sich für den tridentinischen Ritus einsetzt und diesen gelegentlich selbst praktiziert. Polemisch wird gefragt, was denn dem Bischof von Chur für ein Priesterbild vorschwebe. Die Antwort ist einfach, sicherlich nicht der Sozialarbeiter, der dem postkonziliaren Wildwuchs frönt, sondern Jean-Marie Vianney, der heilige Pfarrer von Ars. Das gleiche Priesterbild, das der Papst propagiert, der aus Anlass des 150. Todestages des Pfarrers von Ars ein Priesterjahr ausgerufen hat. Aber dieses Priesterbild taugt nicht für den zürcherischen Teil des Bistums Chur (auch für grosse Teile der andern Bistümer nicht). Der heilige Pfarrer von Ars ist bei der Prüfung durch die kantonalzürcherische, basidemokratische katholischen Synode durchgefallen.
Der Bischof von Chur „entheimatet“ die Schäfchen seiner Diözese nicht. Aber es ist sicher zu überlegen, wer in der Kirche Heimat finden soll. Sicher nicht jene, die erklärtermaßen als Spalt- und Schimmelpilze wirken wollen und sie zerstören. Da wäre an Matthäus 5,29 zu erinnern: „Wenn deine Hand dir zum Ärgernis wird, so hau sie ab und wirf sie weg.“ Und wäre dies um den Preis eines Gesundschrumpfens der Kirche oder eines Rückzugs in die Katakomben, wo den restlichen verbliebenen Getreuen neue Kraft zuwachsen wird, wie das die Kirchengeschichte schon einmal gezeigt hat.
Statt dessen sind die „genehmen“ Theologen und Priester dabei, einerseits eine Kuschelkirche einzurichten, Liturgie als Wellnessapplikation zu betreiben, spirituelle Obdachlosigkeit durch die eigene Orientierungslosigkeit zu förden und andererseits die diagnostischen Aphorismen eines Nicolás Gómez Dávila (1913 - 1994) als Devisen zu nehmen und ihnen nachzueifern:
„Der religiöse Progressismus ist das Bestreben, die christlichen Lehren den von den Nachrichtenagenturen und Werbeagenten favorisierten Meinungen anzupassen.“
„Der progressive Christ macht seinem Gegner schöne Augen, damit ihm sein Glaube verziehen werde.“
Auffallend ist die mangelnde Loyalität von Bischöfen und Äbten gegenüber Rorm. So attackiert Abt Martin Werlen, Einsiedeln, in einem Interview mit der „Aargauer Zeitung“ Papst Benedikt in besserwisserischer, geradezu bösartiger Weise und in peinlicher Anbiederung erklärt er: „... ich bin den Medienschaffenden sehr dankbar für die Berichterstattung über sexuelle Übergriffe in der Kirche...“ Da ist genau die Haltung, die Nicolás Gómez Dávila schon vor einem Vieteljahrhundert bloßgestellt hat.
Und Bischof Markus Büchel, St. Gallen, meint, die Zölibatsfrage müsse nicht unbedingt gesamtkirchlich gelöst werden, es sei die Frage, ob „nicht etwa ein kleinerer kultureller Kreis“ zu einer eigenen Lösung kommen könne. Ähnliche Töne hört man aus Gurk-Klagenfurt, wo das Stichwort von der „Möglichkeit regionaler Freistellungen“ fällt. – Also: Los von Rom!
Dass solche Botschaften gerade aus der Ostschweiz zu vernehmen sind, ist kaum Zufall. Da wird im Internet von einem ganz „besonderen“ Gottesdienst berichtet.
„Es ist schon ein besonderer Gottesdienst, wenn Pfarrer Christoph Baumgartner als Clown, assistiert von einer Humor-Medizinerin und der Guggenmusik Näbelhusaren, in der Bischofszeller Pelagiuskirche auftritt […]. Höhepunkt des Gottesdienstes war die fastnächtliche Polonaise fast aller Gottesdienstbesucher, egal ob maskiert oder nicht.“ (aus der Tageszeitung ‚Sankt Galler Tagblatt’ über einen Narren-Gottesdienst in Bischofszell, Ostschweiz)
„Höhepunkt des Gottesdienstes“. Man traut bei der Lektüre den eigenen Augen nicht. Wird da etwa gar verraten, was die ‚Gläubigen’ von heute als Opfer des Zeitgeistes von der Kirche erwarten und in ihr suchen?
Derlei sind keine Einzelfälle oder Ausrutscher. Das Vorgehen der eingangs erwähnten Bistumsblätter verrät eine ideologische Strategie. Manchmal verplappert sich einer und läßt heraus, worum es wirklich geht. Als bemerkenswerte Selbstanzeige und Geständnis gilt mir das in einem Pfarrblatt veröffentlichte Referat von Gedanken eines ehemaligen Sekretärs der Pastoralplanungskommission der Bischofkonferenz, die jenem anlässlich der Diskussion über den Pastoralen Entwicklungsplan entschlüpften. Darin wird nicht nur insinuiert, derlei Pläne könnten zumindest teilweise an die Stelle der von Rom unterbundenen Dauersynode der Pastoralräte treten. Der Planungskommissar erklärt auch sämtliche Bemühungen, Glauben und Leben der Kirche „von oben“ her zu bestimmen, für obsolet – stattdessen gelte es, “die Seelsorge und das Seelsorgepersonal ‚umzupolen’“ (horizonte. Pfarrblatt Aargau“, Nr. 13, 23. März 2008). Eine Ausdrucksweise, die verzweifelt an gewisse Machthaber und Ideologen der jüngeren Geschichte erinnert.
Für alle diejenigen, die noch nicht begriffen haben, was die Stunde geschlagen hat, sei dieser Aufruf der „horizonte“ eingedeutscht:
- Katholiken, die nicht am helvetischen und deutschen antirömischen Affekt leiden: zur Gehirnwäsche.
- Katholiken, die dem Lehramt der Kirche folgen: zur Gehirnwäsche.
- Katholiken, die alle Beschlüsse des Konzils umgesetzt sehen möchten: zur Gehirnwäsche.
- Katholiken, die die Tridentinische Messe besuchen: zur Gehirnwäsche.
- Katholiken, die sich Papst Benedikt XVI. verbunden fühlen: zur Gehirnwäsche.
Neues zu den Ausführungsbestimmungen VI –
oder: Wer hat Angst vor Sibirien?
6. 4. 2011
Nach den neuesten römischen Gerüchten werden die Ausführungsbestimmungen zu Summorum Pontificum jetzt doch nicht vor Ostern, sondern nach Ostern erscheinen - in welchem Jahr, ist nach wie vor ungewiss. Bleibt abzuwarten, ob es sich nur um eine technische Verzögerung handelt, oder ob das würdelose Gezerre um die endgültige inhaltliche Ausrichtung in eine weitere Runde geht.
Wir können das Schauspiel dennoch mit einiger Gelassenheit betrachten: Die Liturgie und die kirchliche Disziplin werden nur noch zu geringerem Maß von Rom aus bestimmt - ob „verbindliche“ Übersetzungen liturgischer Texte in den Diözesen gelten sollen oder nicht, entscheiden Bischöfe oder anmaßende Bischofskonferenzen nach eigenem Gusto, so wie sie - etwa in Aachen oder in Linz - auch die Zölibatsvorschriften nach Lust und Laune interpretieren und außer Kraft setzen.
Zur „Neutralisierung“ von Summorum Pontificum haben die Bischöfe, die sich aus der Tradition der Kirche lösen wollen, inzwischen das geeignete Mittel gefunden: nicht mit irgendwelchen Bestimmungen oder gar schriftlichen Weisungen, sondern damit, daß sie und die Ordinariokraten ihren Priestern auf vielerlei Weise zu verstehen geben: Das Recht der Kirche ist die Theorie – in der Praxis zählt die Möglichkeit, Priestern, die sich den örtlichen Machthabern nicht gefügig erweisen, das Leben schwer zu machen. Dagegen können auch die Ausführungsbestimmungen wenig ausrichten. Jede Diözese hat ihr Sibirien.
Hoffnungslos ist die Lage trotzdem nicht. Die Anziehungskraft des Priesterberufes auf Karrieristen nimmt sichtlich ab - und die neueren Jahrgänge aus den Seminaren sind immer öfter bereit, sich warm anzuziehen.
Bredekamp: Sankt Peter in Rom und das Prinzip der produktiven Zerstörung. Wagenbach 2004
Aber auch langfristig besteht kein Grund zur Verzweiflung. Ein schönes Bild dafür, daß Chaos mit zu den menschlichen Existenzbedingungen der Kirche gehört, und wie sogar aus einem Sumpf von niederen Motiven, Bosheit und Machtmissbrauch die beeindruckendsten Bauwerke herauswachsen können, bietet ausgerechnet die Peterskirche zu Rom, deren Entstehungsgeschichte der Berliner Kunsthistoriker Horst Bredekamp in einem höchst lesenswerten Buch beschrieben hat. Das beginnt damit, daß der Abriss der über 1000-jährigen Konstantinsbasilika nicht zuletzt deshalb „alternativlos“ wurde, weil das alte Gemäuer einem prachtvollen Grabmal des Papstes im Wege stand, und das ging weiter mit einer Baugeschichte voller Ränkespiele und Intrigen, in deren Verlauf oft genug der jeweils neue Baumeister das Werk seines Vorgängers wieder abreißen ließ, um seinem eigenen Spleen oder den Einflüsterungen seiner Sponsoren zu folgen.
Im Lauf einer 125-jährigen Baugeschichte glich sich das alles auf die schönste Weise wieder aus. Und da sollen wir unruhig werden, weil die kurialen und episkopalen Saboteure das Dokument zum Motu-Proprio um ein paar Monate verzögern? Gegenüber ihren Vorgängern in Renaissance und Barock sind es blasse, geist- und blutleere Gestalten. Leider, ist man versucht zu sagen.
Was man so alles relativieren kann
3. 4. 2011
Während die Gläubigen, die sich der überlieferten Form der Liturgie vepflichtet sehen, weltweit auf die „Ausführungsbestimmungen“ warten, diskutieren die liturgischen Modernisten des englischen Sprachraums voller Unruhe die für Herbst vorgeschriebene Einführung einer neuen Übersetzung für das Missale. Verzweiflungsschreie, Byokottaufrufe, Forderung nach einem eigenen "Ordinariat" für die Freunde der aktuellen Übersetzung, Drohungen mit Kirchenaustritt oder -abspaltung – großes Drama rundum.
Zum Teil kann man das nachvollziehen. Es geht ja nicht allein um theologische Schwergewichte wie die Frage des für alle oder für viele. Es geht um den Klang und die Anmutung der Worte noch vor jeder Theologie. Und da macht es schon einen Unterschied, ob es – wie in den Wandlungsworten – heißt: „er nahm den Becher“ oder „mit Seinen verehrungswürdigen Händen ergriff Er diesen kostbaren Kelche“. Während die aktuelle englische Übersetzung aus den frühen Siebzigern noch weitaus umgangssprachlicher daher kommt als die gegenwärtige deutsche, verwendet die ab Herbst gültige englische Form eine unverkennbar hochsprachlich orientierte Liturgiesprache, in etwa vergleichbar der Sprache des „Schott“.
Ein Zentrum der amerikanischen Diskussion bildet zur neuen Übersetzung die Website Pray Tell. Dort treffen sich vor allem diejenigen, die die Errungenschaften der großen nachkonziliaren Kulturrevolution um jeden Preis bewahren wollen.
Die von Ihnen vorgebrachten „Argumente“ sind oft genug mehr als lächerlich. Wenn man das liest, ahnt man schon, warum deutsche Bischöfe und Liturgiegelehrte der ganzen Debatte am liebsten durch autoritäre Machtsprüche oder schlichte Nichtbefassung aus dem Weg gehen wollen. Gleichzeitig wird immer wieder sichtbar, wie schwach auch in anderen Teilen der Welt das Band zwischen Orts- und Weltkirche geworden ist. Die zum Wochenende veröffentlichte „beruhigende“ Stellungnahme eines Neuseeländischen Bischofs demonstriert, welche Formen der Geist der Widersetzlichkeit inzwischen angenommen hat:
Die Arbeit der Übersetzer entbindet die Priester und anderen Seelsorger nicht der Verpflichtung, die Gemeinde dabei zu unterstützen, sich das Gebet der Kirche zu eigen zu machen. Diese würden ihrer Verantwortung nicht gerecht, wenn sie den geschriebenen Text einfach ohne Rücksicht auf die konkreten Erfordernisse nachplappern würden.(...) Wir brauchen gute Übersetzungen, aber wir brauchen auch eine Ausbildung der Priester und Seelsorger, die sie dazu befähigt, die kleinen Anpassungen vorzunehmen, die es allen Anwesenden ermöglichen, sich eingeschlossen zu fühlen und mitzufeiern. (...) Einige dieser kleinen Anpassungen sind einfach eine Sache der Höflichkeit und des gesunden Menschenverstandes - aber das kann der Natur der Sache nach nicht von den Übersetzern geleistet werden. Wir müssen die Diskussion über die Übersetzung dadurch relativieren, daß wir die Aufgaben der Seelsorger mit in Betracht ziehen."
Wir und alle, die den Papst bei seinem Bemühen um die Rückkehr zu einer würdigen Liturgie unterstützen wollen, können uns noch auf einiges gefasst machen.
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